Osterweiterung eröffnet Tourismus enorme Wachstumspotenziale

Raffling: Krisenstrategie für den Kriegsfall - Vorsichtiger Optimismus für den Sommer - Entflechtung der Ferienströme als dringendes Problem

Berlin (PWK135) - Die Osterweiterung bringt für den österreichischen Tourismus enorme Wachstumspotentiale. Erwartet werden rund 300.000 zusätzliche Nächtigungen pro Jahr durch die neuen EU-Mitgliedsländer ab Mitte 2004, stellte der Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Dr. Michael Raffling, am Samstag in einen gemeinsam mit ÖW-Geschäftsführer Arthur Oberascher abgehaltenen Pressegespräch auf der ITB in Berlin fest.

Bei den Gästen aus Tschechien, Polen, Ungarn und Slowenien gibt es starke Steigerungsraten von jährlich bis zu 15 %. Schon derzeit bringen es die Tschechen, Polen und Ungarn auf jeweils über 800.000 Nächtigungen. Als konkretes Beispiel für positive Perspektiven nannte Raffling den Höhenkurort Semmering. Gäste aus Ungarn haben derzeit einen Nächtigungsanteil von acht Prozent. 1937 dagegen betrug dieser Anteil am Semmering 37 %. "Hier kann an alte Traditionen angeknüpft werden, hier liegt für den österreichischen Tourismus noch enormes Potenzial". Auch für den touristischen Arbeitsmarkt erwartet sich die Tourismuswirtschaft Impulse durch die Erweiterung.

Zum Thema Kriegsgefahr meinte Raffling, dass der österreichische Tourismus besonders aus den nahen Märkten wenig Auswirkungen befürchten muss. Die derzeit etwas geringere Konsumneigung sei eher konjunkturell bedingt. Allerdings rechnen die Reisebüros vor allem beim Outgoing in den Raum Nahost mit starken Rückgängen (der österreichische Reisebürosektor ist zu etwa 83 % Outgoing und 17 % Incoming). Die Wirtschaftskammer hat deshalb mit den wichtigsten Unternehmern dieses Bereiches eine Krisenstrategie ausgearbeitet.

Für die kommende Sommersaison ist die österreichische Tourismuswirtschaft vorsichtig optimistisch. Ein fünfprozentiges Umsatzwachstum wie im Winter werde sicherlich nicht zu erreichen sein, "aber zwischen 2 und 3 % sind möglich", so Raffling. Als größter Unsicherheitsfaktor gilt dabei vor allem der Hauptherkunftsmarkt Deutschland, insbesonders wegen der anhaltenden Konjunkturflaute und der schlechten Stimmung wegen dem drohenden Irak-Krieg. Andererseits fallen auch Fernreisen weg, wodurch sich Ausgleichseffekte ergeben könnten.

Positiv für den Sommer sind die starken Investitionen der Betriebe in Schlechtwetter- und Alternativangebote. "Auch eine mehrtägige Regenperiode kann die Freude der Gäste nicht mehr trüben. In den Werbeaussagen wird man sich für den Sommer bemühen, die Mystik unserer Berge und Landschaften wieder stärker ins Blickfeld zu rücken."

Raffling bedauerte, dass man sich auf internationaler Ebene mit der Entflechtung der Ferienzeiten und damit mit der Ordnung der Freizeit noch zu wenig auseinandergesetzt habe. Mehrere Versuche der österreichischen Tourismuswirtschaft, eine europaweit koordinierte Betriebs- und Ferienzeitregelung zu verhandeln, sind gescheitert. Angesichts der bevorstehenden Kollision der deutschen Sommerferientermine müsse diese Problematik dringend analysiert werden. Bereits jetzt erreiche der Anteil deutscher Urlaubernächtigungen in manchen Regionen Werte zwischen 60 und 95 Prozent.

"Wenn nun ganz offensichtlich die 16 deutschen Kultusminister bei Ferienzeitregelungen immer nur das pädagogische Argument im Vordergrund sehen, so wird man mit ihnen eine breit angelegte Diskussion in der Öffentlichkeit führen müssen. Wenn die Familie in Stress gerät, leidet auch die Pädagogik", betonte Raffling. Der zunehmenden Zeitsouveränität des Menschen müsse im Interesse des Arbeitszeit- und Freizeitverhältnisses besser als bisher entsprochen werden. "Das Problem einseitig auf einen einzelnen Wirtschaftszweig, wie etwa den Samstag-Samstag-Wochenrhythmus der Hotellerie abzuwälzen, bringt sicherlich keine umfassende Lösung."

"Wenn die Politik ständig den Ganzjahrestourismus urgiert, darf sie nicht umgekehrt mit gesetzlichen Regulierungen die Saisonalität massiv verstärken. Die Folgen sind zunehmender Stress für Unternehmer und Mitarbeiter sowie reduzierter wirtschaftlicher Erfolg für die Unternehmer."

"Nachdem die aktuelle deutsche Ferienzeitregelung bereits bis 2006 beschlossen ist, werden wir trotzdem, aufbauend auf den Erfahrungen des kommenden Sommers, mit geeigneter Lobbyarbeit nicht locker lassen. Aus der Erfahrung könnten auch Politiker klüger werden", schloss Raffling. (hp)

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