GPA-Frauen zum Frauentag: Rauch-Kallat hat Bewährungsproben zu bestehen

Engagierte Frauenarbeit mit einer engagierten Frauenorganisation ist wichtiger denn je

Wien (GPA). "Für Frauen, insbesondere für unselbständig Beschäftigte, Alleinerzieherinnen, Kranke oder Pensionistinnen, soll das Klima offenbar noch rauer werden", zieht die Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Erika Helscher, ein wenig ermutigendes Resümee über die im Koalitionsübereinkommen verankerten Vorhaben der neuen Bundesregierung. Insbesondere die massiven Pensionskürzungspläne, die weitere Aufweichung der Ladenöffnungszeiten, sowie die Einführung zusätzlicher Selbstbehalte würden übermäßige Belastungen für Frauen absehbar machen. Anlässlich des morgigen Internationalen Frauentages richtet Helscher an die neue Frauenministerin Rauch-Kallat die Aufforderung, gegen diesen eingeschlagenen Kurs klar Stellung zu beziehen und Fraueninteressen über bloße Ankündigungspolitik hinaus aktiv zu vertreten.++++

Die GPA-Frauen nehmen den morgigen Internationalen Frauentag zum Anlass, um ihre aktuellen Forderungen und Schwerpunktsetzungen zu unterstreichen: Das Schließen der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen, die Förderung wirtschaftlicher Eigenständigkeit von Frauen, die Erhöhung der Frauenerwerbsquote sowie eine eigenständige Altersicherung von Frauen sind dabei zentrale Zielsetzungen. "Ich würde mir wünschen, die Frauenministerin dafür als wichtige Verbündete gewinnen zu können", so Helscher, die generell die Wiedereinführung eines Frauenministeriums als wichtiges Signal der neuen Bundesregierung begrüßt.

Die Ansage von Ministerin Rauch-Kallat, "alles was im Regierungsprogramm steht auf Punkt und Beistrich umsetzen zu wollen", müsse im Hinblick auf viele der dort formulierten Vorhaben allerdings als gefährliche Drohung gegenüber Frauen gesehen werden: "Wenn die Ministerin bereit ist, Kürzungen von Frauenpensionen von bis zu 30 Prozent zuzulassen, im Handel Arbeitszeiten rund um die Uhr zu tolerieren und dabei keinerlei ausreichende Initiative für zusätzliche Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Sicherstellung von Verkehrsanbindungen an den Tag zu legen, dann steht dies ihrem Vorsatz, Gender Mainstreaming umsetzen zu wollen, diametral gegenüber", kritisiert Helscher. Ebenso verständnislos zeigt sich die GPA-Frauenvorsitzende bezüglich der Einführung weiterer Selbstbehalte: "Aufgrund der nach wie vor auseinander gehenden Einkommensschere zwischen Männern und Frauen würden Frauen durch eine derartige Kopfsteuer für Kranke übermäßig stark getroffen."

"Nach dem absoluten Stillstand, den die Bundesregierung in den vergangenen Jahren in der Frauenpolitik zugelassen hat, muss die neue Frauenministerin erst beweisen, wie ernst es ihr mit ihren Aufgaben wirklich ist. Allein die Tatsache eines eigenständigen Frauenministeriums ist noch lange kein Garant für fortschrittliche Frauenarbeit", so Erika Helscher abschließend.

ÖGB, 7. März 2003
Nr. 142

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