STOPP GATS-Kampagne: Frauen - Verliererinnen durch das GATS

Weltweite Verschlechterung der Situation der Frauen vorprogrammiert

Wien (STOPP-GATS/ÖGB) Die VertreterInnen der STOPP-GATS Kampagne machen anlässlich des morgigen internationalen Frauentages auf die negativen Folgen von Liberalisierungen besonders für Frauen aufmerksam. Denn der Großteil der berufstätigen Frauen ist im Dienstleistungssektor tätig. ++++

In der EU arbeiten über 80 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Dienstleistungssektor, vor allem im Niedriglohnbereich und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Sie werden die ersten sein, die den erhöhten Wettbewerb nach der Liberalisierung zu spüren bekommen. Private AnbieterInnen arbeiten nach den Regeln des Wettbewerbs, d.h. unter anderem "Kostenreduktion" durch Lohnkürzungen. Im öffentlichen Dienstleistungsbereich (z.B. bei Lehrerinnen), wo im Verhältnis zum privaten Bereich vergleichsweise hohe Lohnniveaus und gesicherte Arbeitsverhältnisse für Frauen bestehen, werden die durch Sparpakete eingeleiteten Verschlechterungen durch das GATS - Aufhebung der Pragmatisierung, Zurückbleiben der Lohnentwicklung, Verschärfung der Arbeitsbedingungen - zusätzlich an Dynamik gewinnen. Einschränkungen des öffentlichen Sektors führen dazu, dass sozialstaatliche Leistungen in den "Schoß der Familie" zurückfallen und die Betreuung von Kindern oder Angehörigen von Frauen geleistet wird -unentgeltlich und sozial nicht abgesichert. Renate Csörgits, Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin des ÖGB, warnt vor den Folgen des GATS für die Frauen: "Im Gesundheitssystem zum Beispiel bedeutet ein Ersatz des staatlichen Systems der Pflichtversicherung durch privaten Kassen, dass Frauen höhere Beiträge zahlen müssten - wegen des Schwangerschafts-'Risikos' und wegen ihrer höheren Lebenserwartung. In anderen Bereichen, etwa bei der Kinderbetreuung oder der Altenpflege, hätte ein Rückzug des Staates für jene, die nicht das Geld haben, die Leistungen teuer privat zuzukaufen, eine Rückverlagerung in den Aufgabenbereich der Familie zur Folge."

Klaudia Paiha, Arbeitsgruppe Frauenarmut der Armutskonferenz ergänzt: "Im GATS werden Subventionen als 'wettbewerbsverzerrend' erachtet. Fallen diese weg, führt das außerdem zu einer Reduktion des Beratungs- und Hilfsangebots für von Armut bedrohten Menschen."

Die Auswirkungen des GATS für Frauen im Gesundheitssystem können fatal sein. So stiegen etwa bei der Privatisierung des Gesundheitssystems in Zimbabwe die Gebühren derart, dass sie für viele schwangere Frauen nicht mehr leistbar waren. Die Folge: erhöhte Sterblichkeitsrate von Müttern. "Die Mehrheit der armen Weltbevölkerung - und dazu zählen viele Frauen - sind auf den öffentlichen Sektor angewiesen. Das GATS fördert eine in letzter Konsequenz lebensgefährliche Entwicklung", so Eva Klawatsch-Treitl, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ)

Fazit: Das GATS in seiner derzeitigen Form fördert bestehende Geschlechterungerechtigkeit und ist daher für Frauen besonders kontraproduktiv. "GATS dient zur Erhöhung der Profite der männlichen Wirtschaft, das heißt Gewinne für einige wenige zu Lasten von Millionen - vor allem Frauen - , die dies mit einer Verteuerung und Verschlechterung wichtiger Dienstleistungen und vermehrter unbezahlter Arbeit bezahlen müssen," erklärt Elisabeth Klatzer, feministATTAC. "Wir brauchen kein GATS, sondern ein internationales Abkommen zur gerechten Verteilung von Arbeit, Einkommen und Ressourcen."

Die STOPP GATS-Kampagne wird getragen von der Armutskonferenz, ATTAC, Greenpeace, Österreichischer Gewerkschaftsbund und Österreichische HochschülerInnenschaft. Mehr als 50 weitere Organisationen unterstützen die Kampagne.

ÖGB, 7. März 2003 Nr. 141

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Inge Zechmann, 0676/53 6 53 13
Weitere Informationen unter www.stoppgats.at

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