AKS: Schulsystem verschärft Klassenunterschiede

Studie belegt soziale Fehlfunktion des österreichischen Schulsystems - Die AKS (Aktion kritischer SchülerInnen) fordert ein Gesamtschulmodell für Österreich

Wien (SK) Die heute in der Tageszeitung "Der Standard" veröffentlichte Studie des Instituts für Familienforschung belege eindeutig, dass das österreichische Schulsystem die sozialen Klassen nicht nur reproduziert, sondern die Gegensätze sogar noch verschärft. Sieben bis neun Prozent der Sprösslinge aus bildungsfernen Schichten in ländlichen Regionen absolvieren erfolgreich die AHS-Unterstufe. Im Gegensatz dazu können 82 bis 86 Prozent der Akademikerkinder in Städten einen Abschluss der AHS-Unterstufe vorweisen. Die AKS (Aktion kritischer SchülerInnen) forderte daher Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst ein Gesamtschulmodell für Österreich. ****

"Das Bildungssystem hat unserer Auffassung nach die Aufgabe, die sozialen Gegensätze der Gesellschaft abzuschwächen und langfristig völlig auszugleichen" so Niki Kowall, Bundesvorsitzender der AKS. "Im Gegensatz zu den Konservativen wollen wir die herrschenden Verhältnisse nicht einfrieren, sondern aufbrechen. Für uns hat Bildung primär die Funktion, die Gesellschaft zu transformieren, anstatt sie zu reproduzieren", betonte der SchülerInnenvertreter. Für Kowall sind es die Konservativen, denen es unmöglich sei, über ideologische Barrieren zu springen. "Spätestens seit der PISA-Studie ist bewiesen, dass möglichst viel Bildung für möglichst viele Menschen das Gesamtniveau anhebt und bei Vergleichen im internationalen Spitzenfeld liegt", ist Kowall überzeugt.

Der SchülerInnenvertreter sieht auch noch viele pädagogische Argumente, die für die Gesamtschule sprechen. "Zehnjährige Kinder und deren Eltern bereits so früh vor eine derart essenzielle Entscheidung zu stellen, ist menschlich einfach nicht verantwortbar", so der AKS-Vorsitzende. Kowall sieht in heterogenen Lerngruppen auch viel mehr Lernpotenzial als in homogenen. "Die Vermischung der sozialen Schichten sowie die Integration von MigrantInnen und Behinderten fördert die sozialen Fähigkeiten der SchülerInnen", ist der SchülerInnenvertreter überzeugt.

Kowall erstaunt die Ablehnung der Gesamtschule von konservativer Seite auch im Speziellen auf Grund des Bildungsgefälles zwischen Stadt und Land. "Die ÖVP sieht sich als Interessensvertretung der ländlichen Regionen und stellt sich gegen die Gesamtschule, obwohl die ländlichen Regionen besonders stark von der Verschärfung der sozialen Gegensätze betroffen sind", wundert sich Kowall, der im Gymnasium Lilienfeld (NÖ) maturiert hat, der Hauptstadt des einwohnerschwächsten Bezirks Österreichs.

Die Bildungsministerin habe selbst bereits zugegeben, dass sie ein Gesamtschulmodell nicht für schlechter hält, der Aufwand im Umbau der Schulorganisation ihrer Meinung nach jedoch nicht dafür stehe die Gesamtschule einzuführen. "Wenn ein Gesamtschulmodell das Bildungssystem eines Staates nicht verschlechtert, jedoch zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt, dann ist das definitiv ein Grund, die Gesamtschule der 6 bis 14-jährigen einzuführen", so Kowall abschließend. (Schluss) cs/mp

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