IFK-Vortrag: Über das Wechselspiel von Verbrechen und Vorstellung

Wien (OTS) - Über den Zusammenhang von realem Verbrechen und populären Vorstellungen, geht es kommenden Montag (10.3.) im IFK (Institut für Kulturwissenschaften), wenn Michael Zinganel über "Architektur und Verbrechen. Indizien der Produktivkraft des Verbrechens" sprechen wird. In Zell am See groß geworden, wo es "nur Kinderbanden und Schi-Diebstahl" gegeben hat, studierte Zinganel Architektur an der TU Graz, welche, laut Zinganel, statistisch zu jenen Orten der grün-weißen Landeshauptstadt mit der höchsten "Verbrechensrate" im Fahrraddiebstahl gehört. In seinem Vortrag geht es aber nicht um die kleinen Verbrechen, die laut dem Wissenschaftler "es auch erst dadurch wurden, weil wir heute unsere Schier und Fahrräder versichert haben", sondern vor allem um die wissenschaftlichen, administrativen und architektonischen "Folgewirkungen" von realen Verbrechen. Der 43jährige, der derzeit am IFK ein Fellowship besucht, veranstaltete bereits in früheren Jahren in Wien "Verbrechenstouren", bei denen bekannte und nicht so bekannte Orte des Mordes (Zinshäuser), der Hinrichtung (Spinnerin am Kreuz), aber auch der theatralischen Hinrichtung (Burgtheater) aufgesucht wurden. Am Beispiel der tragischen Mädchen-Morde in der Pier Albin Hanson-Siedlung vor etwa zehn Jahren illustriert Zinganel die diskursiv bedingten Folgen: So errichtete nicht zuletzt aufgrund dieser Mordserie die Kriminalpolizei einen entsprechenden Beratungsdienst, wurde die Frauenabteilung der Stadt Wien mit diversen Frauen-Sicherheits-Studien beauftragt und entstanden unzählige Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen. In eher ironischer Art und Weise ein Zitat von Karl Marx verwendend, wonach die Produktivkraft Verbrechen systemimmanent für eine kapitalistische Gesellschaftsordnung sei, beschäftigt sich der Grazer auch mit städtebaulichen Folgen von aktuellen Sicherheitsdiskursen. Zentraler Punkte sind für ihn hierbei Flughäfen und, diese mehr oder weniger kopierend, die Bahnhöfe, die ganz wesentlich den technischen, wie auch marktkonformen Sicherheitsstandard von Städten mitdefinieren. Als fortgeschrittene europäische Beispiele im Bereich der Bahnhöfe nennt er Zürich (Schweiz) und Leipzig (Deutschand), wo Videokameras, Wachpersonal, aber vor allem auch Shoppingmalls, wie auch große Kunstskulpturen im vorgelagerten Bereich dafür sorgen, dass einerseits "Sicherheit" signalisiert wird, anderseits aber auch Bahnhöfe durch Geschäftsmieten über entsprechende Einnahmen verfügen. Für Wien bzw. Österreich konstatiert Zinganel, der an sich als Assistent am Institut für Gebäudelehre und Wohnbau an der TU Graz arbeitet, ein eher gedämpftes Verhalten: "Auch bei uns finden solche Entwicklungen statt, jedoch weitaus weniger zielgerichtet als anderswo." Angesprochen auf die Sicherheitsfolgen des "11.9" hält Zinganel fest, dass dadurch viele bislang eher zurückhaltend geplante Sicherheits- und Kontrollsysteme in Gebäuden oder an öffentlichen Plätzen weitaus offensiver in die Öffentlichkeit getragen werden können. In nächster Zeit erscheint von Zinganel im Verlag selene auch ein entsprechendes Buch mit dem Titel "Real Crime".

o Termin: 10. März 03
Ort: IFK (1., Reichsratstrasse 17)
Beginn: 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Nähere Infos auch unter: http://www.ifk.ac.at/

(Schluss) hch

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