"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Klub der Verlierer" (Von Markus Schramek)

Ausgabe vom 5. März 2003

Innsbruck (OTS) - Zugegeben. Der Beruf Verteidigungsminister fällt nicht in die Kategorie Traumjob. Schon gar nicht, wenn die Aufgabe darin besteht, die Anschaffung neuer Abfangjäger zu argumentieren. Der Tiroler Exlandesrat Günther Platter traut sich das zu. Vermutlich. Denn viel Konkretes war ihm seit seiner überraschenden Berufung noch nicht zu entlocken. Gestern noch war die Kultur Platters Thema, heute ist es die Landesverteidigung.
Ein Tiroler ist also etwas geworden. Wäre Platters Disziplin eine sportliche, Applaus aus jedem Eck des Landes wäre ihm sicher. Doch Platter ist Politiker. Und da gelten andere Gesetze.
Platter hat seine politische Heimat, den VP-Arbeitnehmerflügel AAB, vor den Kopf gestoßen. Der lange Zeit verdächtig schweigsame Arbeiterkammerpräsident Fritz Dinkhauser fordert Platters Kopf als AAB-Landeschef. Der Vorwurf: Platter mache Karriere, anstatt für die kleinen Leute etwas zu tun. Und AAB-Ehrenobmann Helmut Mader bezweifelt unüberhörbar, dass Platter seine Aufgaben zwischen Wien und Innsbruck - auf gut tirolerisch - auch wirklich "dapackt".
Der AAB ist ein sensibles Gebilde. Zahlenmäßg stark, finanziell aber schwachbrüstig haben die Arbeitnehmer in der Volkspartei wenig zu melden. Mehr als ein Landeshauptmannstellvertreter schaut in der Regel nicht heraus. Den Landeshauptmann machen immer noch die Bauern unter Duldung der Wirtschaft.
So ist der AAB zum Klub der Verlierer geworden. Ein Bund von Leuten, die sich zu Höherem berufen fühlen, denen aber die Hausmacht fehlt. Dinkhauser wäre gerne Landeshauptmann, doch über die AK kommt er nicht hinaus. Mader hat es nie verwunden, dass er von Ex-LH Weingartner aus der Regierung entfernt wurde. Und ein lang gedienter AAB-Parlamentarier wie Klubchef Klaus Madritsch ist auf die Gnade LH van Staas angewiesen, damit er im Landtag bleiben darf. Platter hat den Ausgang aus diesem Jammertal gefunden. Beim AAB hinterlässt das Narben.

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