Volksbanken: Irak-Krise lastet auf den Märkten und hält Zinsen niedrig

Wien (OTS) - Irak-Krise dominiert das Finanzmarktgeschehen. Kursverluste auf den meisten Aktienmärkten, weiter rückläufige Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt. EZB: Zinssenkung am 6. März, weitere Senkung im Kriegsfall. Zinsschritt am 6. März erspart Märkten Enttäuschung - mehr aber auch nicht. Mittelfristig ist mit Trendwende zu rechnen.

Die Analysten der Volksbank Investmentbank AG (VBIB), die die Kapitalmarktanalyse für die Österreichischen Volksbanken und die ÖVAG durchführt, veröffentlichen ihre aktuelle zweiwöchentliche Finanzmarktanalyse:

Ein Krieg wird auf den Finanzmärkten sukzessive vorweggenommen

Auch in den letzten Wochen hat die Irakkrise das Finanzmarktgeschehen dominiert. Trotz der jüngsten Korrekturen verzeichneten die meisten Aktienmärkte Kursverluste, während die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt weiter rückläufig waren. Der Dollar hat sich seit Jahresanfang um weitere 3% gegenüber dem Euro abgeschwächt. Die tatsächlichen Folgen eines Krieges sind damit von den Märkten schon weitgehend vorweggenommen worden: Die niedrigen Aktienkurse senken den Wohlstand der Verbraucher und damit auch deren Ausgabebereitschaft. Der hohe Ölpreis führt zu höheren Produktionskosten, was - zusammen mit der niedrigen Konsumnachfrage -auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen verringert. In Europa werden diese konjunkturellen Effekte durch die Dollarschwäche bzw. Eurostärke verschärft, die die Wettbewerbsposition der Exportwirtschaft verschlechtert.

Diese Effekte einer unsicheren politischen Lage treffen die US-Wirtschaft in einer vergleichsweise guten Verfassung, wobei das gesamtwirtschaftliche Wachstum zu einem überwiegenden Teil von hohen Konsumausgaben getragen wird. Die Kehrseite der hohen Konsumbereitschaft besteht in der nach wie vor sehr niedrigen Sparquote. Mittelfristig besorgniserregend ist deshalb vor allem das "Zwillingsdefizit", das aus der Kombination expansiver Fiskalpolitik und hoher Importquote entsteht: Zum chronischen Leistungsbilanzdefizit, das derzeit 4,1% des Bruttoinlandsproduktes ausmacht und wieder auf 5% steigen dürfte, kommt nun auch ein defizitärer Staatshaushalt. Musste bis jetzt nur das Leistungsbilanzdefizit durch internationale Kapitalimporte "gegenfinanziert" werden, so sind angesichts der niedrigen Sparquote nun auch zur Finanzierung des Haushaltsdefizits verstärkt internationale Kapitalzuflüsse gefragt. Obwohl die US-Wirtschaft mehr denn je als internationale Konjunkturlokomotive gelten kann, ist sie durch die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen ihrerseits zunehmend auch ausländischen Einflüssen ausgesetzt. Die aktuelle Schwäche des Dollar ist eine logische Folge dieser Abhängigkeit. Der mittelfristige Abwärtstrend des Dollar wird laut Volksbank-Ökonomen daher weiter andauern, obwohl bei bzw. nach einem Golfkrieg mit einer vorübergehenden Erholung zu rechnen ist.

Konjunktur ist Argument für, Inflation ist Argument gegen sofortige Zinssenkung in Europa

Die Europäische Zentralbank nimmt die konjunkturellen Folgen der Irakkrise erst jetzt in ihr konjunkturelles Szenario auf. Da ein großer Teil dieser Folgen schon vor einem Kriegsbeginn eingetreten ist, ist eine Lockerung der Zinspolitik in der Eurozone schon vor Ausbruch eines Krieges denkbar, wobei zu Kriegsbeginn mit einer weiteren, international akkordierten Zinssenkung zu rechnen ist. Dafür muss sich die EZB einen gewissen Spielraum erhalten. Dieser erscheint angesichts der hohen Differenz zu anderen Zentralbanken durchaus noch gegeben, liegen die Leitzinsen in der Eurozone heute mit 2,75% doch um immerhin 150 Basispunkte über denen der USA.

Andererseits ist die EZB natürlich weiterhin ihren geldpolitischen Stabilitätszielen verpflichtet. Ungeachtet der derzeit durchgeführten Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie bestehen diese in einer Inflationsrate unter 2% und einem Geldmengenwachstum von 4,5%. Beide werden derzeit verletzt. Die Inflationsrate in der Eurozone lag im Jänner bei 2,2% und wird für Februar von Eurostat auf 2,3% geschätzt. Die regionalen Abweichungen bleiben enorm. So lag die irische Inflationsrate im Jänner bei 4,7%, die niederländische und griechische bei 3,8%, die deutsche als "Schlusslicht" aber nur bei 1,2%. Die währungsunionsweite Kernrate ohne Nahrungsmittel, Tabak und - derzeit besonders wichtig - ohne Energie, lag im Jänner mit 1,9% knapp innerhalb der Vorgaben.

Nächste Zinssenkung am 6. März, weitere Senkung im Kriegsfall

Daraus leiten die Analysten der VBIB ab, dass die nächste Zinssenkung schon am 6. März stattfindet, allerdings nur im Ausmaß von 25 Basispunkte auf einen neuen Mindestrefinanzierungssatz von 2,5%. Eine weitere Senkung um bis zu 50 Basispunkte ist dann tatsächlich nur noch im Kriegsfall anzunehmen. In England, wo diese Woche ebenfalls eine Zinsentscheidung ansteht, ist die erste Zinssenkung schon erfolgt und daher für den 4./5. März mit keiner Änderung zu rechnen.

Wirkung auf die Finanzmärkte: Ausbleiben einer Enttäuschung

Die erwartete Zinssenkung ist in den Geldmarktzinsen mit einem aktuellen 3-Monats-Eurbor von 2,5% (Interbankensatz vom 3. März 2003) bereits vollständig enthalten und wird hier keine unmittelbaren Auswirkungen haben.

Der Einfluss einer Zinssenkung am 6. März auf den Aktienmarkt wird sich darauf beschränken, dass den Märkten eine Enttäuschung erspart bleibt, der negative Trend also keinen zusätzlichen Impuls erhält. Da die Berichtssaison der Unternehmen erst im April beginnt, bleibt der Markt von der Irakkrise dominiert.

Die europäischen Staatsanleihen bleiben als "Sichere Häfen" stark nachgefragt, die Renditen somit niedrig bis weiter rückläufig.

Der Euro wird durch die "ersparte Enttäuschung" und den erhofften konjunkturellen Effekt einer Zinssenkung ebenso unterstützt, wie er durch den schwindenden Zinsvorteil gegenüber dem US-Dollar geschwächt würde. Dollar/Euro sollte damit in einer Seitwärtsbewegung bleiben.

Mittelfristige Aussichten

Die mittelfristigen Perspektiven sind weiter von der Krise im Irak dominiert. Die Erfahrung aus dem Golfkrieg 1991 lehrt dabei, dass die Reaktionen der Finanzmärkte bereits dann abflauen, wenn sich eine eindeutige Problemlösung, sei es friedlich oder militärisch, abzeichnet. Für diesen Zeitpunkt rechnen die VBIB-Analysten mit einer vorübergehenden Erholung des US-Dollar und einer Trendwende an den Aktienmärkten.

Ausführliche Analyse ist in der Publikation "Marktperspektiven" unter http://www.volksbank.at/finanzmarkt-know-how bzw. unter
http://www.vbib.at/kapitalmarktresearch abrufbar.

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