Junge Wirtschaft zur Regierung: Wo sind die Signale für die Wirtschaft? Pletzer: Vorstand ohne Vision bringt Unternehmen Österreich nicht weiter

Wien (OTS) - Nach genauer Durchsicht des Regierungsprogramms und
den ersten Ankündigungen ist die Junge Wirtschaft Österreich (JWÖ) schwer enttäuscht von der neuen Regierung. Das gelte für die Programmatik genauso wie für die erste Performance. "Aus unternehmerischer Sicht, sind die Inhalte von Schwarz-Blau II kein marktfähiges Angebot. Gebraucht wird ein neuer Masterplan für die zentralen Ziele Wirtschaftsbelebung und Wachstumsförderung, und bekommen haben wir einen alten Schlagwortkatalog. Wirtschaftspolitisch ist die Regierung in den Überschriften steckengeblieben", stellt Manfred Pletzer, Bundesvorstand der Interessenvertretung der heimischen Jungunternehmer, fest. Für Jungunternehmer stehen die selben Formeln von Erhöhung der Selbständigenquote und geringerem Gründerrisiko im Regierungsprogramm wie schon im Programm des Kabinetts Schüssel I. Aber schon in den letzten drei Jahren seien den schönen Worten keine konkreten Maßnahmen gefolgt, jetzt wolle man nicht mehr warten.

"Papier ist geduldig, aber die jungen Menschen mit Ideen, die in Österreich Jungunternehmer sind oder es werden wollen, sind inzwischen sehr ungeduldig. Wo bleibt die konkrete Offensive für neue Unternehmen, für die Förderung junger Unternehmensideen? Und es gibt niemanden in der Regierung, der sich um Politik für Jungunternehmer kümmern", so Pletzer. Bei den Mitgliedern ist der Ärger groß -"Rückfall in den Proporz", "Ideenlosigkeit" und "Die Krise geht weiter" seien noch die freundlicheren Kommentare von Jungunternehmern zur neuen Regierung, berichtet Pletzer, selbst Eigentümer eines 100-Mann-Unternehmens mit Standorten in Österreich und Deutschland.

"Das einzige Paket, das in der groß angekündigten Steuerreform bisher fertig geschnürt ist, ist ein Belastungspaket für Unternehmen und Konsumenten - Stichwort höhere Steuern auf Energie. Das ist Gift für die ohnehin schon schwache Inlandsnachfrage als letzte Stütze der Konjunktur", so Pletzer. Der Rest seien Ankündigungen, und für den Glauben an deren Realitätsgehalt fehle vielen Unternehmern nach der Erfahrung der letzten drei Jahre - Stichwort Steuer- und Abgabenrekord - das Vertrauen. Aus Sicht der Wirtschaft sei das Regierungsprogramm ein "Fortschreiben des Status Quo". "Was wir aber brauchen, ist der Wille, zu gestalten. Und der fehlt. Ein Vorstand ohne Visionen und ohne Visionäre bringt das Unternehmen Österreich nicht weiter", stellt Pletzer fest.

Zur Illustration seiner Bewertung verweist Pletzer auf die bei wesentlichen Vertretern der Regierung beliebte Selbstpräsentation als "Manager der Republik". Nehme man diese Selbstdarstellung ernst und übertrage sie in die unternehmerische Realität, dann wäre das im Fall der Steuer- und Abgabenpolitik so: Nach einer ordentlichen personellen Aufstockung des Vorstands verkündet die Unternehmensführung ihren Kunden, dass die Preise für die Produktpalette des Hauses empfindlich teurer werden. Die höheren Preise sind exakt fixiert und durchgerechnet. Allerdings sagt man dazu, dass man die höheren Einnahmen jetzt braucht - damit die Produktpreise in zwei Jahren wieder sinken können. Allerdings ist noch unklar, in welchem Ausmaß. Kein Unternehmen könne sich so ein Vorgehen leisten.

Den üblichen Verweis der Regierung auf die nötige Sanierungsarbeit lässt Pletzer so nicht gelten: "Sanierer in Unternehmen senken zuallererst die Kosten und steigern Effizienz und Leistung, anstatt die Preise zu erhöhen. Daran sollte sich die Regierung ein Beispiel nehmen. Von der Wirtschaft lernen heißt richtig Reformieren lernen", stellt Pletzer fest.

Die Junge Wirtschaft stößt sich auch am starken Hang zum parteipolitischen Kompromiss beim Zusammenstellen der neuen Regierungsmannschaft. "Misstöne aus der Wirtschaft sind garantiert, wenn die Erkennungsmelodie der neuen Regierung in einem parteipolitischen Wunschkonzert gemacht wurde. Damit wird das Kabinett Schüssel II leben müssen", sagt Pletzer abschließend.

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