"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Potenzierte Instabilität (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 28.02.2003

Klagenfurt (OTS) - Mit der Politik ist es ein bisserl so wie mit
den Lämmern: Da wie dort trottet man dem Leittier hinterher -gutmütig, vertrauensselig, zu träge zum selbständigen Gedankengang. Der Leithammel hat ein leichtes Spiel. Was er sagt, das hats. Und sei es noch so absurd. Die Lämmer freuts...

Nur so - und weil Österreich das Polit-Trauerspiel doch etwas satt hat - ist es erklärbar (wenn auch nicht zu verstehen und schon gar nicht zu akzeptieren), dass das Volk des Kanzlers Unsinn von einer stabilen Regierung schluckt: Die schwarz-blaue Unsicherheit war nie größer. Selbst da nicht, als Schüssel das Wendeprojekt vorzeitig für gescheitert erklärte. Damals haben sich vier FPÖ-Spitzenleute vertschüsst - das wars auch schon. Heute drohen "stramme Knittelfelder", angespornt vom Einfachen aus Kärnten, mit Revolte. Potenzierte Instabilität. Kümmert das Schüssel? Wohl nicht. Er kann keinen Profit daraus schlagen.

Ergo wird wacker durchgetaucht. Und die SPÖ zum Buhmann gestempelt. "Zu instabil", "zu unverlässlich", kommentiert das Leittier im Befehlston. Österreich? Das nickt dazu. Man hat sich den Argwohn abgewöhnt. Hat sich abgewöhnt zu widersprechen. "Eh schon egal", seufzt man im dunkelgrauesten Ton der Wurstigkeit - anstatt beherzt aufzubegehren: "Jetzt ist Schluss mit Machtgehabe und Pflanzerei!"

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