"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Störfeuer im Finale" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 28. Februar 2003

Innsbruck (OTS) - Auf manche Leute ist einfach Verlass. Pünktlich zum Finale der schwarz-blauen Koalitionsverhandlungen hat der FPÖ-Altobmann seine Drohkulisse in grellsten Farben aufgebaut. Gleich in mehreren Punkten signalisierte Haider ein Nein zu durchgesickerten Verhandlungsergebnissen.
Es wäre nicht der Altmeister der politischen Taktik, hätte er nicht auch wieder ein furioses Doppelspiel inszeniert: Einerseits formuliert er apodiktisch an die Adresse der Parteispitze, die FPÖ dürfe nicht "den billigen Jakob" abgeben. Andererseits wollte er seine Wortmeldung zu allererst als jene eines besorgten Landeshauptmanns verstanden wissen. Diese Gattung kennt man unter anderem Vorzeichen auch aus der ÖVP.
Nur ein starker Auftritt Haiders im Kärntner Gemeinderatswahlkampf? Es bleibt eine Rechnung mit vielen Unbekannten, ob die scharfen Zwischenrufe lediglich dies sind oder Teil einer sorgsam abgestimmten Strategie, die bis zur entscheidenden Sitzung der Bundesparteileitung durchschlägt. Dann wäre das Zurückrudern von Herbert Haupt bei dem aus Kärnten gekommenen Ruf nach dem Innenministerium noch eine banale Lockerungsübung gewesen - im Vergleich zu dem, was auf den Parteichef noch zukommt.
Die Kärntner Nebenbühne könnte nach leidvoller Erfahrung rasch wieder zum Hauptschauplatz der heimischen Innenpolitik werden. So gesehen, ist man erst recht versucht, Kanzler Schüssel in der Tradition chinesischer Artisten zuzurufen "Möge diese Übung gelingen!" Die Regierungspartner, die sich eigentlich schon auseinander gelebt hatten, wollen in einer neuen Allianz vor notwendigen Härten nicht zurückschrecken. Doch das setzt, um Akzeptanz zu finden, zu allerst tadellose Arbeit ohne Störmanöver voraus. Schüssel bekam ein breites Vertrauensvotum, doch echte Sympathieträger in seinem neuen Team wären gewiss kein Luxus.

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