Kultusgemeinde zum Schlussbericht der Historikerkommission

Wien (OTS) - Nachdem der Schlussbericht der Historikerkommission erst am Montag der Öffentlichkeit präsentiert worden ist und 14.000 Seiten umfasst, sei es noch nicht möglich, dazu eine umfassende Stellungnahme abzugeben, stellte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Ariel Muzicant, am Donnerstag in einem Pressegespräch fest. Dennoch könnten verschiedene Schlüsse gezogen werden. Zufrieden könne man sein, dass die Historikerkommission eingesetzt worden sei und verschiedene Schwerpunkte erarbeitet habe. Positiv sei auch, dass durch die große Vielfalt an Themenbereichen eine Fülle neuen Wissens zur Verfügung steht. Muzicant nannte in diesem Zusammenhang die rechtswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Rückstellungsgesetzgebung und die Einbeziehung von bisher vernachlässigten Opfergruppen wie Roma und Sinti. Der Öffentlichkeit und den Politikern müsse vermittelt werden, so Muzicant, dass nun kein Schlussstrich gezogen werden könne, sondern dass damit der Auftakt zur nachhaltigen Erforschung und öffentlichen Vermittlung dieses Themenbereichs gesetzt sei.****

Trotz der Fülle neuen Wissens gebe es weiterhin zahlreiche Forschungslücken. So gebe es beispielsweise kein eigenes Projekt zu liquidierten Betrieben, wurden doch nach NS-Angaben rund 75 Prozent der jüdischen Betriebe liquidiert. Bei wichtigen Vermögensbereichen habe man sich zu sehr auf sogenannte Komplementärforschung anderer Institutionen verlassen.

Nach den Vorstellungen der Israelitischen Kultusgemeinde sollte die Kommission für Provenienzforschung den Auftrag und die finanziellen Mittel erhalten, nach dem Vorbild der Historikerkommission Projekte zu offenen Themen - etwa zu den Kunstrückgabegesetzen -vergeben zu können. Muzicant bezeichnete es auch als ein Anliegen, dass die Kommission die vorliegenden Berichte durch einen kommentierten Bericht über die verwendeten Quellen ergänzen sollte. Nicht zuletzt wäre es sinnvoll, die Arbeit und die Ergebnisse der Historikerkommission einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Derzeit entstehe der Eindruck, bei dieser Thematik gehe es nur um Meinungen von Experten und Wissenschaftlern.

Angeregt wurde auch die Einrichtung einer unabhängigen Expertengruppe, die aus Mitgliedern der Historikerkommission, aus externen Wissenschaftlern, Pädagogen und Informationsfachleuten zusammengesetzt sein sollte. Diese Expertengruppe sollte Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen ausarbeiten, die dann in den einzelnen Bundesländern, Städten und Gemeinden, Schulen und diversen Medien umzusetzen wären. (Schluss) ull/rr

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Peter Ullmann
Tel.: 4000/81 081
ull@m53.magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0014