"Am anderen Ende der Brücke": Kinopremiere für ORF-geförderte erste österreichisch-chinesische Kinoproduktion der Nachkriegszeit

"Großer Moment in den österreichisch-chinesischen Beziehungen"

Wien (OTS) - Groß war der Andrang prominenter Gäste gestern, Mittwoch, dem 26. Februar 2003, als in den Cineplexx-Kinos Wienerberg die Wien-Premiere des Kinofilms "Am anderen Ende der Brücke" stattfand. Das vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens geförderte Großprojekt ist die erste österreichisch-chinesische Filmkoproduktion der Nachkriegsgeschichte und erzählt die berührende, außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer Österreicherin und einem Chinesen. Diese basiert auf der wahren Geschichte der Exilösterreicherin Gertrude Du-Wagner. Die gebürtige Wienerin emigrierte 1934 im Alter von knapp 18 Jahren nach China und verstarb erst kürzlich 87-jährig in der Nähe von Shanghai. Die große Liebe führte sie einst ins Reich der Mitte und gab ihr die Kraft, ein neues Leben zu beginnen, das angesichts der mehrfachen politischen Umbrüche von Entbehrungen und schmerzvollen Wendungen geprägt war. Erst nach 56 Jahren - anno 1990 - besuchte die Österreicherin zum ersten Mal wieder ihre Heimat, in die sie vor ihrem Tod weitere zwei Mal wiederkehrte. "Am anderen Ende der Brücke" startete diese Woche in den österreichischen Kinos und wird nach Ablauf der gesetzlichen Kinosperrfrist frühestens Ende 2004 auch im ORF zu sehen sein.

"Ein Film von großer Bedeutung"

Der ORF - vertreten durch den Kaufmännischen Direktor Dr. Alexander Wrabetz -, SK-Film (Produzent Josef Korschier) und Buena Vista International (Ferdinand Morawetz) freuten sich, eine Vielzahl prominenter Gäste bei der Kinopremiere begrüßen zu dürfen:
Altbundespräsident Dr. Kurt Waldheim, Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder, Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und weitere Vertreter der heimischen Politik, der chinesische Botschafter in Wien, seine Exzellenz Lu Yonghua, die prominenten Künstlern des Films - darunter Susi Nicoletti, Nina Proll, Julia Stemberger, Erwin Steinhauer, der chinesische Superstar Wang Zhiwen und Regisseurin Hu Mei. Eine Vielzahl heimischer Film- und Kunstschaffender und der letzte überlebende Bruder von Gertrude Du-Wagner, Roland Wagner, waren ebenfalls erschienen, um die Premiere dieses großen, völkerverbindenden Projekts mitzuerleben. "In unserer gemeinsamen Geschichte hat es einige große Frauen gegeben, Frauen wie Gertrude Du-Wagner. Sie werden wegen ihrer Verdienste im Sinne der freundschaftlichen Beziehungen und der Völkerverständigung immer in Erinnerung bleiben. Dafür ist dieser Film von großer Bedeutung", betonte Lu Yonghua, Chinas Botschafter in Wien, der sich von der ersten Filmkoproduktion nach mehr als 60 Jahren höchst beeindruckt zeigte. "Ein großer Moment in den österreichisch-chinesischen Beziehungen und ein Andenken an Gertrude Du-Wagner."

Moskauer Filmpreis Gertrude Du-Wagner gewidmet

Im Rahmen der Kinopremiere übergab Dr. Ursula Wolte, die Gattin des ehemaligen österreichischen Botschafters Wolfgang Wolte, an Hauptdarsteller Wang Zhiwen den "Silver Arrow" des 8. Moskauer Internationalen Filmfestival "Faces of Love". Dieser Hauptpreis für den besten Darsteller wurde Zhiwen, der bereits in mehreren preisgekrönten chinesischen Produktionen wie zum Beispiel in "The Emperor and the Assassin" von Regisseur Chen Kaige zu sehen war, Ende Jänner vom Festival zugesprochen, konnte jedoch nicht persönlich von ihm übernommen werden. Zhiwen widmete die Trophäe der verstorbenen Gertrude Du-Wagner und wird die Trophäe ihrer Familie überreichen.

Naivität und unschuldige Liebe

Im Film wird Gertrude Du-Wagner in unterschiedlichen Altersabschnitten von Nina Proll und Susi Nicoletti verkörpert und heißt aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen Fanny Ebner. "Ich finde, dass das eine tolle Frau war. Der Film erzählt von einer Liebe, die so wunderbar war, so lebendig und herrlich", meinte Susi Nicoletti bei der Premiere, fügte aber hinzu, dass sie persönlich einen solchen mutigen Schritt nie gewagt hätte. Shooting Star Nina Proll meint dazu: "Ich stand noch nie vor so einer Entscheidung, aber ich glaube, dass man sich eine gewisse Naivität und unschuldige Liebe bewahren muss, um so etwas überhaupt zu tun. Für so eine Liebe gehören immer zwei dazu, sonst funktioniert das nicht."
An der Seite von Susi Nicoletti, Nina Proll und Wang Zhiwen sind in weiteren wichtigen Rollen Julia Stemberger, Erwin Steinhauer, Muriel Baumeister, Dorothea Parton und Karl Merkatz zu sehen. Inszeniert wurde "Am anderen Ende der Brücke" von der chinesischen Filmemacherin Hu Mei, die die einzig prominente Regisseurin der so genannten "5th Generation" ist, der Weltklasseregisseure wie Zhang Yimou ("Shanghai Triade"), Chen Kaige ("The Emperor and the Assassin") oder Tian Zhuangzhuang ("The Blue Kite") entstammen. Hu Meis Interesse an der Verfilmung dieser österreichisch-chinesischen True Story wurde durch eine Dokumentation über Gertrude Du-Wagner geweckt, die einst für die ORF-Sendung "Am Schauplatz" von Helmut Opletal und Christian Schüller gedreht wurde.
Die Dreharbeiten zu "Am anderen Ende der Brücke" fanden im Herbst 2001 in Shanghai und Umgebung sowie in Wien und Salzburg statt. Nicht nur, dass der Filmstoff zur Völkerverbindung beitragen soll, auch mit den Dreharbeiten in China setzte das Filmteam ein "verbindendes" Zeichen. Die im Titel genannte Brücke, die über einen Fluss führt und zwei Dörfer verbindet, existierte vor dem Dreh noch nicht, sondern wurde eigens dafür angefertigt und nach Beendigung der Arbeiten den Chinesen gespendet. "Früher gab es da nur einen Fährmann, der die einzige Verbindung zwischen den beiden Dörfern war", erzählt Hauptdarstellerin Nina Proll. "Nach den Dreharbeiten hatten die Menschen eine Brücke, doch der Fährmann wurde leider ein Opfer der Globalisierung."

Familienmitglieder tief berührt

"Am anderen Ende der Brücke" fand auch Anklang bei den österreichischen Angehörigen von Gertrude Du-Wagner, die bei der Vorführung anwesend waren. Roland Wagner, der 78-jährige einzige Überlebende von insgesamt drei Brüdern, der mit Gattin sowie Schwägerinnen, Nichten, Neffen und Enkeln gekommen war, sprach dem Filmteam seine Anerkennung aus und zeigte sich tief berührt. "Der Film hat mir sehr gut gefallen. Er zeigt, was das Wichtigste im Leben ist, und das ist die Liebe, die leider in der heutigen Zeit viel zu kurz kommt. Meine Schwester war darin ein großes Vorbild, und ich hoffe, dass sich viele Menschen, vor allem junge Menschen den Film anschauen", so Wagner.

"Am anderen Ende der Brücke" ist eine Koproduktion von SK-Film mit den chinesischen Koproduzenten Beijing Forbidden City Film und der China Coproduction Company sowie mit Unterstützung durch den ORF, das Österreichische Filminstitut, den Filmfonds Wien, das Land Salzburg und einen chinesischen Privatinvestor.

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