HTV: Erweiterte Ladenöffnungszeiten gehen auf Kosten der ArbeiterInnen im Handel Utl: Entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen schon heute

Wien (HTV/ÖGB). "Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten würde jene treffen, die schon jetzt besonders belastet sind: Die ArbeiterInnen im Handel", erklärte Robert Steinocher, Handelssekretär der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV), zum Plan der künftigen Regierung, die Öffnungszeiten zwischen Montag null Uhr und Samstag abend freizugeben. "Viele der im Handel beschäftigten Frauen haben Kinder, viele sind AlleinerzieherInnen. Wie sollen sie nachts oder frühmorgens arbeiten, wenn die entsprechenden Kinderbetreuungseinrichtungen und Verkehrsanbindungen schon heute fehlen?", so Steinocher.++++

Die Gewerkschaft HTV spricht sich als Vertretung der ArbeiterInnen im Handel daher grundsätzlich gegen die Ausweitung der bestehenden Laden- und Sonntagsöffnungszeiten aus. Sie fordert statt dessen mehr Kinderbetreuungseinrichtungen mit praxisorientierten Öffnungszeiten und einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, um Frauen und Männern die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Keine Umsatzsteigerungen

"Öffnungszeiten bis spät in die Nacht bringen auch für die Geschäfte keine Vorteile, denn es wird nur zu Verlagerungen der Umsätze auf die Abendstunden kommen", stellte Steinocher klar. Die mangelnde Kaufkraft der ÖsterreicherInnen lasse Umsatzsteigerungen durch veränderte Öffnungszeiten nicht zu. "Die hohe Arbeitslosigkeit und die Belastungspakete der alten und vermutlich neuen Regierung vermindern die Kaufkraft enorm. Mit kosmetischen Maßnahmen wie veränderten Öffnungszeiten ist daher noch lange kein Aufschwung im Handel zu erwarten. Das einzige, was sich verändert, sind die Arbeitszeiten der Beschäftigten: Und gegen eine derartige Verschlechterung tritt die Gewerkschaft HTV auf", so Steinocher.

Der HTV-Handelssekretär ergänzte weiters, dass verlängerte Öffnungszeiten das Kaufverhalten jener ÖsterreicherInnen, die derzeit im Ausland einkaufen, nicht verändern könnten. "Diese KonsumentInnen fahren wegen erhoffter Preisvorteile in die Nachbarländer. Eine Erweiterung der österreichischen Öffnungszeiten wird sie nicht zurückholen können", sagte Steinocher abschließend.

ÖGB, 27. Feber 2003
Nr. 104

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