ÖAAB: Bildungspolitisches Umdenken an der Schwelle von der knowledge-based-society zur attitude-based-society gefordert

Rasche Kurskorrektur von Bildungsforscher Steinringer beim Sozialpolitischen Forum des ÖAAB empfohlen

Wien, 27. Februar 2003 (ÖAAB-PD) "Die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung überfordert fast alle, die an der Schnittstelle zwischen Bildung und Beruf stehen" sagte Bildungsforscher Dr. Johannes Steinringer beim Sozialpolitischen Forum des ÖAAB am Mittwoch Abend. "Auch die Politik bietet vielfach unsensible und nicht treffsichere Hilfestellungen zur Problemlösung an". Steinringer fordert statt überholter Ideen von der Verdichtung von Macht in Bildungszentren, Beratungszentren, Förderungszentren usw. die Förderung individueller, regionaler und innovativer Initiativen. ****

Steinringer hat in einem Berufsinfo-Bus des BMWA, der WKÖ und des BM:BWK während sieben Wochen in 72 Bezirks- und Landeshauptstädten Österreichs zur Beratung und Information von Jugendlichen, Eltern und Betrieben Halt gemacht und zeichnet ein drastisches Bild der gegenwärtigen Situation von und für Jugendliche beim Einstieg in den Beruf. "Wir kommen immer schlechter zusammen; und das aus falschem Prestigedenken, Sorglosigkeit, Unwissen, Entscheidungsunfähigkeit, Informationsmangel und Fehleinschätzung." Steinringer nannte als Beispiele die herkömmlichen Standpunkte, dass Bildung immer wieder mit kollektivem Lernen in Bildungsräumlichkeiten verknüpft wird, dass Prestigegründe wesentliches Element der Wahl von Bildungsstätten und Berufen ist, dass weit zurückliegende Bildungsabschlüsse in ihrer Bedeutung für die Gegenwart überschätzt werden und Faktenwissen als Prüfstein für Gebildetheit angesehen wird.

Demgegenüber ortet Steinringer einen Wandel von der knowledge-based-society zur attitude-based-society (ABS) Im Mittelpunkt steht in zunehmendem Maße der Mensch mit seinen Eigenschaften wie Stabilität und Ausdauer, Toleranz und Friedfertigkeit, Optimismus und Schaffenskraft, Idealismus und Kulturneigung usw. (attitudes). Wissensbeschaffung und die Aneignung geeigneter Fertigkeiten für die Problemlösung zum aktuellen Fall wird demgegenüber künftig ein Grundelement bzw. eine Voraussetzung für berufliche und private Erfolge darstellen (knowledge).

An dieser Vorstellung müssten sich zeitgemäße Konzepte einer Bildungspolitik von der Grundbildung bis zur universitären Bildung entlangarbeiten. Aber anstatt überholter Ideen von der Verdichtung von Macht in Bildungszentren, Beratungszentren, Förderungszentren usw. zu folgen müsste die Förderung individueller, regionaler und innovativer Initiativen Vorrang genießen.

Eine moderne, NIT( new-information-technologies)-unterstützte österreichische Gesellschaft müsste die Verdopplung der Treffsicherheit bei der Förderung von Bildungsinitiativen schaffen. Als Beispiele nennt Steinringer:
· Aufbau eines Netzwerkes für "intelligente Bildungs-Produkte", die bereits in Österreich angewandt werden (auch an FHS)
· Virtuelle Competence-Centers für intelligente Praktiken bei der Durchführung von Bildungsprojekten ( Bildungscluster, Schule-Wirtschaft, Sprachen, Koinvestive Mittelaufbringung für die Erwachsenenbildung, Bildungsmarketing, Berufsmarketing)
· Rascher Koordinierungsauftrag der neuen Bundesregierung zur offensiven Weiterbildung( "Alles, was weiterbildet!")
· Individualförderung vor Strukturförderung
· Integrative Lehrlingsausbildung
· Berufsprüfungen für den Quereinstieg auf unterschiedlichsten Ebenen · Dokumentation und Zertifizierung individuellen und nichtformalen Lernens
" Die berufliche Bildung, die die Persönlichkeitsbildung genauso fördert wie die diesbezüglich überschätzte Allgemeinbildung, ist und bleibt die Transmittersubstanz für die Leistungsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes", sagte Steinringer.
(Schluss)

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