IFK: Vortrag über "wunderliche" Maschinen

Wien (OTS) - In die Frühgeschichte des Maschinenbaus führt kommenden Montag der Philosoph Thomas Brandstetter, wenn er sich anhand von Kupferstichabbildungen "wunderlicher" Maschinen mit der Vorgeschichte der industriellen Revolution in Österreich auseinandersetzt. Die ebenso, jedoch nur auf den ersten Blick "verwunderliche" Frage, inwieweit die Verbildlichung neuester physikalischer Erkenntnisse in der Tradition Isaac Newtons den Wissenschaftsdiskurs und damit die Industriepolitik des alten Österreichs mitformte, verliert ihre Fremdheit dann, wenn über gegenwärtige Strategien zur Finanzierung von Grundlagenforschung nachgedacht wird. Brandstetter setzt so gesehen sein Interesse an den Anfang dieser mehr als 300 Jahre andauernden Geschichte über Geld(nöte) und wissenschaftliche Projekte bzw. "Hirngespinste" an, konkret illustriert er sein Dissertationsprojekt mit einer Dampfmaschine, die im Jahre 1722 von Joseph Emanuel Fischer von Erlach d. J. im Garten des Wiener Palais Schwarzenberg aufgestellt wurde und den damals in Mode stehenden Wasserspielen diente. Was in der damaligen Zeitschrift "Das merkwürdige Wien" noch als weiteres Kuriosum aus den höfischen "Wunderkabinetten" dargestellt wurde, stellt für den 1975 in Wien geborenen Wissenschaftler, ein wesentliches Scharnier in der Wissenschaftsgeschichte dar. Der Grund:
Besagte Dampfmaschine wurde eben nicht nur in einem barocken, auf Schauwert zielenden Diskurs rezipiert, sondern auch von der damals entstehenden Kameralistik wahr- und ernstgenommen bzw. auch finanziell gefördert. Ebenso wie das bekannte, von Otto von Guericke umgesetzte "Magdeburger Halbkugel"-Experiment - hier ging es um das Phänomen des Vakuums - versuchte Fischer von Erlach d.J. finanzkräftige Kreise für weitere Experimente und (Dampf)Maschinen zu gewinnen. "Mit Erfolg", wie Brandstetter ausführt: Gerade der damals hoch favorisierte Bergbau schuf damaligen Maschinenbauern und Wissenschaftlern die Möglichkeit, weitere Konstruktionen mit oft zweifelhaften Erfolg zu konstruieren. Fischer von Erlach d.J. etwa konnte im ungarischen Königsberg zwei Dampfmaschinen für dortige Bergwerke erbauen. Historisch beschäftigt sich Brandstetter bis etwa zum Jahr 1740, wobei "auf der Ebene der Diskursgeschichte noch sehr vieles unbeantwortet bleibt". Thomas Brandstetter arbeitet bis Juni dieses Jahres als Junior Fellow am Internationalem Forschungszentrum für Kulturwissenschaften.

o Termin: Montag, der 3. März 2003
Ort: IFK (1., Reichsratstraße 17)
Beginn: 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Nähere Infos auch unter: http://www.ifk.ac.at/

(Schluss) hch

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