FORMAT: Abfangjäger-Vergabe laut Ex-Militär "erzwungen"

Fall wird von Rechnungshof geprüft.

Wien (OTS) - Ein in die Vergabe des zwei Milliarden Euro teuren Abfangjäger-Auftrages an EADS involvierter Beamter des Verteidigungsministeriums übt heftige Kritik an der Entscheidung und schreibt in einem Aktenvermerk wörtlich von einer "erzwungenen Vergabe." Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Laut FORMAT vorliegenden Vergabeakten des Verteidigungsministeriums, die mittlerweile auch dem Rechnungshof vorliegen, hat der mittlerweile pensionierte Ministerialrat der Abteilung Luftzeugwesen im Verteidigungsministerium, Heribert Wagner, im Vorfeld der Entscheidung heftige Kritik an der Typenwahl geübt:
"Die von vier Unterkommissionsleitern erzwungene Vergabeempfehlung für den Typhoon mag zwar vor dem Hintergrund, daß es sich um martialisches Kriegsgerät handelt, emotional verständlich aber rational nicht nachvollziehbar sein. Die Kosten-/Nutzwertanalyse hat eindeutig den Gripen als wirtschaftlichste Lösung für die Draken-Nachfolge ergeben," schrieb der Beamte vier Tage vor der Entscheidung im Ministerrat am 2. Juli des Vorjahres. Der Gripen sei "in allen Zahlungsvarianten die kostengünstigere Lösung."

Heftige Kritik übt Wagner laut dem Magazinbericht am Eurofighter-Typhoon: "Die Entwicklung des Typhoon kann noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden, womit diesbezügliche Folgekosten nicht abschätzbar sind. Es handelt sich um kein eingeführtes System. Die Truppentauglichkeit ist daher noch nicht nachgewiesen. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Auftreten von Störungen ("Kinderkrankheiten") während der Einführungsphase zur rechnen, womit die Verfügbarkeit der Flugzeuge stark gemindert werden kann." Und: "In den kommenden zehn Jahren könnte daher die Luftraumüberwachung in Österreich schwerstens beeinträchtigt sein."

Der seit erstem Dezember pensionierte Heribert Wagner bestätigt gegenüber FORMAT seine Kritik, die er auch bei einer Befragung durch den Rechnungshof dargelegt habe .

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