"Die Presse Kommentar": "Stabile Relativität" Von Andreas Schwarz

Ausgabe vom 27.2.2003

Wien (OTS) - In der Politik ist ja einiges relativ. Von Versprechungen vor bis zur Performance nach einer Wahl unterliegen die Dinge dem Wandel der Zeit, oder sie liegen, was manchmal das selbe ist, im Auge des Betrachters. Warum sollte das bei der Frage nach der Stabilität eines politischen Partners, anders sein?
ÖVP und FPÖ nähern sich in rasantem Tempo der Neuauflage ihrer -zuletzt alles andere als stabilen - Regierung. Und wollen nichts hören davon, daß mangelnde Verlässlichkeit eines der Partner ein rasender Unsicherheitsfaktor sei.
Im Gegenteil: Wolfgang Schüssel belehrt gerne, daß die Stabilität in der SPÖ mit den Lagern Gusenbauer versus Häupl, Fischer & Co. oder bei den Grünen mit ihrer aufrührerischer Basis nicht größer gewesen wäre als bei den Freiheitlichen. Und Herbert Haupt verweist auf die Widerborstigkeit der VP-Landeshäuptlinge. Motto: Knittelfeld ist überall.
Und es stimmt schon: Die fast körperlichen Aversionen, die ein Michael Häupl gegen Wolfgang Schüssel hat, sind mit den Rachegelüsten Jörg Haiders durchaus vergleichbar. Und den grünen Klub wünscht sich nur ein Blauäugiger als Partner.
Dennoch: In Klagenfurt sitzt einer, der eine Rechnung mit Schüssel offen hat, weil er ihn statt sich selbst für das Zerbröseln seines Lebenswerkes verantwortlich macht; aus dem das "Er wird bitter bezahlen" einfach heraus mußte. Und dessen dräuende Aschermittwochrede mit Grund dafür ist, daß die schwarz-blauen Verhandler solches Tempo machen.
In der Parteispitze sind im Dreieck Haider-Haupt-Prinzhorn noch längst nicht alle Würfel gefallen. Im Hintergrund lauern die strammen "Knittelfelder". Und Herbert Haupts Drohung, gegen Instabilitäts-Untersteller auch gerichtlich vorzugehen, wurde vom eigenen Lavieren in Sachen FP-Innenminister drollig konterkariert. Macht nichts, unter den gegebenen Umständen ist diese Koalition das relativ stabilste, was zu haben ist? Wenigstens die Relativität ist stabil.

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