Biotechindustrie protestiert gegen Verbürokratisierung der Forschungsförderung

Klare Kompetenzzuweisung auf Ministerienebene dringend notwendig

Wien (PWK110) - Die Austrian Biotech Industry (ABI) begrüßt die von der Bundesregierung angeregten Maßnahmen zur Erhöhung der Forschungsquote auf 3 Prozent des BIP bis 2010. Damit wird eine zentrale Forderung der forschenden pharmazeutisch-biotechnologischen Wirtschaft in Angriff genommen. Das Kernproblem der derzeit unzureichenden Quote liegt aber nicht in der derzeitigen Verwaltungsstruktur, sondern darin, dass zu wenig Geld aus dem Budget eingebracht wird. Eine Ausgliederung staatlicher Aufgaben kann daher nicht die Lösung sein. Eine klare und sachlich angemessene Kompetenzzuweisung auf Ministerienebene mit eindeutigen Entscheidungsstrukturen ist dringend notwendig. Dabei müssen die Vergaberichtlinien der einzelnen Fördereinrichtungen und -programme auch in Zukunft den jeweiligen unterschiedlichen Aufgabenstellungen angepasst bleiben - egal ob es sich um Grundlagenforschung, Angewandte Forschung oder Maßnahmen zu forschungsunterstützter Gesundheits- oder Wirtschaftspolitik handelt. Diese zielorientierten unterschiedlichen "Förderspielregeln" muss es auch in Zukunft geben!

Gerade der Forschungsförderungsfonds für die gewerblichen Wirtschaft (FFF) garantiert, dass ein Teil der Forschungsförderung in Österreich an den Bedürfnissen der forschenden Wirtschaft ausgerichtet wird. Die ABI fordert daher, dem FFF in Zukunft ausreichende - jährlich um ca. 10% ansteigende - Mittel zur Verfügung zu stellen, damit eine verlässliche und nachhaltige Förderpolitik ermöglicht wird. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen verliert der Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich gerade für die Biotech-Industrie sehr an Qualität und Attraktivität!

Losgelöst von der nicht ausreichenden Dotierung der Forschungsförderung ist das komplizierte Kompetenznetz, bestehend aus mehreren Ministerien und deren nachgeordneten Dienststellen, zu betrachten. Durch den Abbau von bürokratischen Hürden und Doppelgleisigkeiten lässt sich Potenzial zur Effizienzsteigerung und zur besseren Verwendung der ohnehin knappen Finanzmittel heben. Die geplante Dachorganisation für Forschung, Technologie und Innovation ist aus Sicht der ABI für jene Stellen, die sich schon bisher bestens bewährt haben und die wichtige Säulen einer österreichischen Forschungsförderung ausmachen, kontraproduktiv.

Aus Sicht der forschenden Wirtschaftszweige ist dagegen die Schaffung einer transparenten Forschungsstrategie mit gegenseitiger Abstimmung und gemeinsamer Ausrichtung der über die Mittelvergabe entscheidenden Instanzen zu begrüßen. Sollte die geplante Dachorganisation jedoch nur als zusätzliches Entscheidungsgremium beigezogen werden, ist aus Sicht der ABI keine Verschlankung und effizientere Abwicklung der Forschungsförderung zu erwarten. Darüber hinaus ist auch im zweiten, diesmal von drei Ministern mitgetragenen Konzept der "Austria Forschungs- Technologie- & Innovations- GmbH (AFTI)", die eine Einbeziehung des FFF aber nicht des FWF vorsieht, keine Besserstellung des FFF erkennbar!

Die forschende pharmazeutisch-biotechnologische Wirtschaft gibt im Jahr 2003 voraussichtlich 370 Mio Euro für Forschung in Österreich aus, wobei zusätzlich 110 Mio Euro in neue Forschungseinrichtungen investiert werden wird. Diese Investitionen können nur dann langfristig gesichert werden, wenn die umgebende Forschungslandschaft insgesamt ausreichend gefördert wird.

Die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft stellt ein zentrales Anliegen der ABI dar. Nicht zuletzt gilt doch der Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als Kennzeichen eines industrialisierten Staates. (us)

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Wirtschaftskammer Österreich
Austrian Biotech Industry
Dr. Franz Latzko
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