Ärztekammer: VP-FP-Neuauflage wird zum Totengräber der österreichischen Gesundheitspolitik

Ärztekammerpräsident Dorner spricht von "katastrophalem Signal" in falsche Richtung

Wien (OTS) - Als "völlige Abkehr von einem solidarischen Gesundheitssystem" und "katastrophales Signal in die falsche Richtung" bezeichnete der Präsident der Ärztekammer für Wien, Prim. MR Dr. Walter Dorner, das Vorhaben der zukünftigen VP-FP-Regierung, bei jedem Arztbesuch ab 2004 eine Gebühr einheben zu lassen. Dies werde zu einer Aushöhlung des österreichischen Gesundheitssystems und der österreichischen Medizin führen, deren Folgen erst Jahrzehnte später in der ganzen Tragweite zu erkennen wären, betonte der Ärztepräsident.****

Dorner befürchtet, daß zukünftig viele Arztbesuche einfach aufgeschoben oder sogar ganz ausgelassen würden: "Viele Österreicher werden sich dann einfach den Arztbesuch nicht mehr leisten wollen." Erst den Arzt aufzusuchen, wenn es überhaupt nicht mehr anders gehe, sei jedenfalls die Abkehr von jeglichem Vorsorgegedanken: "Die Folge wird sein, daß viele Patienten viel zu spät in die Arztordinationen kommen werden. Krankheiten werden zu spät erkannt. Im schlimmsten Fall kann das auch tödliche Folgen haben. Das ist die Rückkehr zur bloßen Reparaturmedizin."

Abgesehen von der menschlichen Komponente sei der finanzielle Gewinn höchst fraglich. Dorner: "Es werden zwar am Anfang durch die Arztgebühren Gelder eingehoben, die aber Jahre später um ein Vielfaches mehr aufgewendet werden müssen, um zu lange nicht erkannte Krankheiten mit teurer Reparaturmedizin heilen zu können." Letztendlich nähere sich damit Österreich im erschreckenden Maße dem amerikanischen Gesundheitssystem, wo mehr als 20 Prozent der Bevölkerung keinen adäquaten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.

Dorner unterstrich die Notwendigkeit neuer finanzieller Ressourcen für die Krankenkassen, "dies kann aber nicht auf dem Rücken kranker Menschen ausgetragen werden". Die Solidargemeinschaft hätte für die Top-Leistungen der modernen Medizin die entsprechenden finanziellen Mitteln bereitzustellen. Dorner: "Eine Beitragserhöhung für alle hätte den gleichen positiven finanziellen Aspekt wie weitere Selbstbehalte für Kranke, ohne aber die patientenverachtenden Begleiterscheinungen zu provozieren."

Der Ärztechef fordert die zukünftige Regierung auf, "eine konstruktive Gesundheitspolitik im Sinne des Solidargedankens statt ideenloser Geldeintreibungsaktionen auf Kosten kranker Menschen" zu betreiben. Dorner: "Wenn das alles ist, was der neuen Regierung in Sachen Gesundheitspolitik einfällt, und möglicherweise noch Ähnliches dazukommt, dann erkläre ich sie jetzt schon für krank." (hpp)

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