"trend": Rechnungshof rügt Alleingang Heinzels

ÖIAG-Aufsichtsrat Alfred Heinzel gewährte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis Gehaltsverdoppelung.

Wien (OTS) - Wie das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Dienstag erscheinenden Ausgabe berichtet, bot ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel dem früheren Mannesmann-Manager Peter Michaelis bei seiner Bestellung in den ÖIAG-Vorstand eine Verdoppelung seiner früheren Gage an – und zwar, wie der Rechnungshof in einem Rohbericht kritisiert, ohne dabei über eine entsprechende Ermächtigung durch den ÖIAG-Aufsichtsrat zu verfügen.
Bei Mannesmann, wo Michaelis Generalbevollmächtigter für den Vertriebsbereich war – was in Österreich der Position eines Einzelprokuristen entspricht – verdiente der Auslandsösterreicher nämlich nicht mehr als 356.105 Euro (700.000 DM), davon 178.052 Euro (350.000 DM) variabel. Bei der ÖIAG erhält er 684.869 Euro, wovon 364.236 Euro auf Nebenleistungen und Erfolgsprämien entfallen. Diese Gehaltsverdoppelung ist umso verwunderlicher, da Michaelis zu diesem Zeitpunkt nicht abgeworben werden musste, sondern ganz im Gegenteil selbst gerade seinen alten Job bei Mannesmann verloren hatte.
Alfred Heinzel kommentiert diese fürstliche Bezahlung "trend" gegenüber nur knapp: "Gehälter sind Sache des Aufsichtsrates und nicht der Öffentlichkeit."
Dieser Aufsichtsrat wusste jedoch gar nichts von Michaelis’ Entlohnung. Denn der Rechnungshof kritisiert, dass der erforderliche Organbeschluss zum Dienstvertrag von Michaelis schlichtweg fehlte:
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, heißt es, habe hier ohne entsprechende Ermächtigung durch den Aufsichtsrat gehandelt. Heinzels Replik, dass nun "alles korrekt geregelt" sei und dies auch der Rechnungshof anerkannt habe, stimmt nur insofern, als sich Heinzel aufgrund der Rechnungshofkritik sein Agieren nachträglich vom Aufsichtsrat absegnen ließ.
Mag sein, dass Heinzel sich diesen kostspieligen Alleingang leistete, weil er von Michaelis’ Bewerbungsschreiben so beeindruckt war. Dort stand nämlich unter dem Punkt "Kommentar" folgende Selbstbeschreibung: "schlanker großer Mann mit etwas norddeutsch-sachlicher Haltung".
Dieser Passus, der leicht als Anbiederung an Heinzels bekannt freiheitliche Grundgesinnung missverstanden werden könnte, ist Michaelis heute eher peinlich: "Ich hebe die Hand zum Schwure, dass ich das nicht geschrieben habe", sagt er, "die Headhunter von Heidrick & Struggles haben die Bewerbungsunterlagen erarbeitet, die müssen das eingefügt haben."

Rückfragen & Kontakt:

trend-Redaktion, Tel. 53470-2402

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | TRE0004