Es wird eng

Von Andreas Unterberger

Wien (OTS) - Wolfgang Schüssel hat eine Karte ausgespielt - und
sie hat nicht gestochen. Jetzt kommt er in Zeitdruck. Denn seine restlichen Karten scheinen kaum besser zu sein. Zugleich wächst der Unmut unter den Bürgern: Bald ist es ein Vierteljahr seit der Wahl. Auch in Schüssels eigener Partei läßt die Disziplin nach. Erwin Pröll engt öffentlich den ohnedies engen Spielraum Schüssels weiter ein. Zugleich erhöhen die anderen Parteien ihren Preis: Der sozialdemokratische Klubchef Josef Cap spricht in einem Ton, der auf eine anhaltende Wahlkampf- und nicht auf eine wachsende Regierungs-Stimmung schließen läßt.
Und bei den Blauen ist das Ringen im Jeder-gegen-jeden-Dreieck Haupt-Haider- Prinzhorn noch völlig unentschieden. Ein Bündnis mit der FPÖ ist sicher nur dann möglich, wenn die ÖVP Jörg Haider eine Perspektive offenläßt - natürlich nur in Kärnten. Offen bleibt aber auch dann, ob Haider aus den Fehlern vom Herbst gelernt hat, ob er seine "Tiefs" seither besser zu überwinden versteht.
Mit dieser Frage muß sich die ÖVP nun ebenso rasch befassen wie mit der anderen wichtigen: Ist die SPÖ - also nicht bloß Alfred Gusenbauer - doch noch bereit, von ihrem Zwölf-Punkte-Paket (Motto:
Es soll sich möglichst wenig ändern) abzugehen?
Das gilt es in den nächsten Tagen intensiv und zügig auszutesten. Auch wenn die SPÖ nicht wirklich den Eindruck erweckt, daß sie bereits zu neuer Regierungsfähigkeit zurückgefunden hat: Sie hat sich schon auf Grund ihrer Größe verdient, daß mit ihr mindestens ebenso intensiv auf Punkt und Beistrich verhandelt wird wie mit den Grünen. Und dabei sollten diesmal die Knackpunkte nicht wieder erst für die letzte Nacht aufgehoben werden.
Es ist durchaus möglich, daß Blau dann als einzige Option übrigbleibt, weil Rot wie Grün noch immer glauben, daß die Wahlen eine linke Mehrheit gebracht hätten. Wenn Blau aber solcherart zur letzten Wahl wird, wird das einem künftigen Koalitionsklima auch nicht gerade guttun. Bessere Optionen hat Schüssel jedoch nicht. Auch bei weiterem Zuwarten.

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