"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die Welt in Aufruhr" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 15. Februar 2003

Innsbruck (OTS) - Die Welt fürchtet sich vor einem Krieg. Die Mehrheit der Bevölkerung zahlreicher Staaten lehnt einen militärischen Schlag der USA gegen Iraks Diktator Saddam Hussein und dessen Land ab. Die Angst vor einer Kettenreaktion der Gewalt und vor einem globalen Flächenbrand ist größer als der Wunsch nach einem Regimewechsel in Bagdad. Mit ihrem Aufmarsch am Golf haben die USA unmittelbar bevorstehende, weltweite Friedensdemonstrationen ausgelöst.
Schon gestern waren in Australien mehr als 100.000 Menschen auf der Straße, um gegen einen Irak-Krieg zu demonstrieren. London erwartet am Wochenende 500.000 Manifestanten, Rom eine Million. In Frankreich rufen 70 Organisationen zu Demonstrationen auf. In weltweit 600 Städten sind Kundgebungen gegen einen Bombardement des Irak angesetzt.
Die Botschaft dieser Aktionen aber auch aller Umfragen ist klar und deutlich: Kein Krieg.
Der Wunsch nach Frieden sitzt in den Menschen tiefer, als die Führung der USA bisher annahm. Für Frieden zu sein, heißt noch nicht, grundsätzlich gegen die USA oder gar für Saddam zu sein. Aber das zwanzigste Jahrhundert hat die Welt mehreres gelehrt. Etwa, dass Kriege alles zerstören und nichts schaffen. Dass Kriege politische Ursachen haben und nur religiös verbrämt werden. Und dass jener, der Krieg führen will, dafür einen Grund findet, nötigenfalls erfindet. Wer heute die Kriegstrommel rührt, löst nicht Begeisterung aus sondern stößt auf Misstrauen. Das scheint die US-Führung noch nicht erkannt zu haben.
Die Demonstrationen dieses Wochenendes sind ein Signal der Ablehnung eines Kriegs an die USA. Bleibt die Frage, welche Botschaft die Friedensbewegten für Bagdad bereit halten. Dort sitzt der wahre Gegner und damit das Problem.
Das vorige Jahrhundert lehrte auch, dass Diktatoren nur ihre Sprache verstehen, und das ist jene der Gewalt. Den Versuch des gewaltfreien Umgangs mit Aggressoren haben Tausende mit ihrem Leben bezahlt. Auch im Irak. Einem Gewalttäter hat man nicht die Faust zu streicheln sondern die Waffe aus der Hand zu nehmen. Das gilt für Saddam Hussein. Und das sollte bei den Demonstrationen mindestens so klar zum Ausdruck kommen wie die Ablehnung eines neuerlichen Krieges am Golf.

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