ANDRE GLUCKSMANN IM VOLKSTHEATER: "WAS HEISST TERRORISMUS"

Wien (OTS) - Im Rahmen der Matineen zu "Globalisierung und Gewalt. Perspektiven nach dem 11. September" im Volkstheater spricht der französische Philosoph und Schriftsteller André Glucksmann am Sonntag, 2. März 2002, 11.00 Uhr zum Thema "Was heisst Terrorismus?"

Moderation: Claus Philipp/Der Standard
Konzeption: Karl Baratta/Volkstheater Wien
Claus Philipp/Der Standard
In Zusammenarbeit mit dem Institut Francais.

Der französische Philosoph und Schriftsteller ist ein zentraler Vertreter der so genannten Neuen Philosophen, die in ihrer Auseinandersetzung mit dem Marxismus eine dezidierte Kritik totalitaristischer Systeme entwarfen. Er beschäftigt sich mit den Krisenherden der Welt: Irak, Balkan, Tschtschenien, Zentralafrika.

"In der Politik muss man Atheist sein, empfahl Stendhal. Kein Atheist sein bedeutet, an den lieben Gott oder den Teufel zu glauben. Man hat mir erzählt, dass es Amerikaner gibt, die ihrem Präsidenten eine quasigöttliche Unfehlbarkeit zuschreiben. Offensichtlich haben sie Unrecht. Aber nicht weniger absurd sind jene unter uns, in unserem guten alten Europa, die Bush verteufeln und ihn zum Urquell fast aller Übel erklären, die unseren Planeten heimsuchen. Sie glauben an ein mephistophelisches Genie des Bösen, das Ursache allen Leids ist. (...) Doch was, wenn der Teufel nicht existiert?" (André Glucksmann in DIE WELT, 30. Jänner 2003)

Glucksmann wurde am 19. Juni 1937 als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten in Boulogne-sur-Mer geboren. Bekannt wurde er 1967 mit der Abhandlung Le discours de la Guerre, die er am Centre National de la Recherche Scientifique anfertigte. Glucksmann weist der Philosophie die Aufgabe zu, vehement gegen menschliche Unzulänglichkeit und Unmündigkeit vorzugehen (La betise, 1985; Die Macht der Dummheit). Eine rein akademische, methodisch strenge Philosophie lehnt er deshalb ab. Das Denken muss sich nach praktischen Erwägungen unter sozialen Fragestellungen ausrichten und deshalb zwangsläufig politisch sein. Es hat die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu wecken und ihr kritisches Bewusstsein zu schulen. Ziel ist vor allem die Aufdeckung allgemeiner Strukturen staatlicher Gewalt. Versuche der Bürokratie und des Militärs, sich unentbehrlich zu machen, bedürfen nach Ansicht Glucksmanns einer entschlossenen Gegenwehr.

Wichtige Werke Glucksmanns sind Les Maitres Penseurs (1977; Die Meisterdenker), Cynisme et Passion (1981; Vom Eros des Westens) und La Force du Vertige (1983; Die Philosophie der Abschreckung).

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