Ärztekammer spricht von unhaltbaren Zuständen im Wiener AKH

Ärztekammerpräsident Dorner sieht Aufrechterhaltung des Spitzenstandards gefährdet

Wien (OTS) - Von "unhaltbaren Zuständen" spricht der Präsident der Ärztekammer für Wien, Prim. MR Dr. Walter Dorner, anläßlich der jüngsten Rationierungswelle im Wiener AKH. Das Aufrechterhalten des medizinischen Spitzenstandards sei durch den massiven Spardruck immer schwieriger. Verbrauchsmaterialien wie Verbände und Druckpapier, et cetera dürften gegen Monatsende nicht mehr bestellt werden, betonte Dorner. Er richtet einen dringenden Appell an die Politik, eines der "renommiertesten Spitäler weltweit nicht zu Tode zu sparen".****

Der Finanzierungsstreit zwischen Bund und Gemeinde habe nur ein konkretes Opfer, nämlich den Patienten. Dorner: "Es muß der politische Konsens geschaffen werden, daß für ein Spitzenkrankenhaus wie das AKH eben auch die umliegenden Bundesländer ihren Beitrag erhöhen müssen, denn immerhin kommen auch viele Patienten von dort, wo das Angebot nicht oder nicht in derselben höchsten Qualitätsstufe möglich ist."

Ähnlich argumentiert auch der Universitätsreferent der Ärztekammer für Wien, Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant: Die Ärztinnen und Ärzte des Wiener AKH würden übermenschliche Anstrengugen leisten, um unter dem in letzter Zeit immer stärker werdenden Rationierungsdruck die Patientenversorgung zu gewährleisten. Gnant warnt aber jetzt schon:
"Auf lange Sicht wird das nicht möglich sein. Ich rechne schon bald mit Qualitätseinbußen."

Zudem sei es ein Skandal, daß das Thema der Nebenbeschäftigung von Ärztinnen und Ärzten überhaupt mit dem Finanzierungsengpaß in Zusammenhang gebracht werde. Gnant kritisiert, daß Klinikärzte, die rund um die Uhr ihre Patienten betreuen, lediglich als Kostenverursacher gesehen werden.

Gnant fordert ein Umdenken in der österreichischen Spitalspolitik:
"Strukturüberlegungen und Neuorganisationen müssen sekundär sein, wenn es um das Wohl der Patienten geht." Man könne nicht einerseits ein Gesundheitssystem auf Topniveau fordern, ohne gleichzeitig die dafür notwendigen finanziellen Mitteln bereitzustellen, so Gnant. Das AKH garantiere eine solche Topmedizin in Forschung, Lehre und Patientenbetreuung, daher müsse alles dafür getan werden, diesen Standard auch langfristig abzusichern, so Gnant abschließend. (hpp)

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