WWF - Der "König der Alpenflüsse" in Gefahr!

Internationale Allianz aus Wissenschaft & Naturschutz warnt vor Zerstörung des Tagliamento

Triest/Innsbruck/Bellinzona (OTS) - Eine breite internationale Allianz von mehr als 700 WissenschaftlerInnen und Naturschutzorganisationen unter der Leitung des WWF Alpenprogramms stellt sich gegen die Pläne der italienische Regierung, den letzten großen Wildfluss der Alpen durch den Bau von Dämmen zu zerstören. Diese Art des Hochwasserschutzes ist nicht mehr zeitgemäß, die Vorgangsweise EU-rechtswidrig! "Der WWF setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern für den Schutz der Natur und für die Bevölkerung am Tagliamento ein", so Nicoletta Toniutti, WWF Projektleiterin Tagliamento. "Es gibt genügend Projekte in den Alpen - wie am Tiroler Lech oder der Oberen Drau, die zeigen, dass Sicherheit und Naturschutz kein Widerspruch sind", so Mag. Hermann Sonntag, WWF Alpenprogramm.

Retensionsbecken gefährden Natura 2000 Gebiet

Oberhalb von Latisanna - in einem der schönsten Abschnitte des Tagliamento und in einem Natura 2000 Gebiet - sollen nach Plänen der regionalen Behörden riesige Retentionsbecken in einer Größenordnung von 14km2 aus Gründen des Hochwasserschutzes errichtet werden. Dazu müssten 30 Mio. m2 Schotter aus einem Auwaldbereich entnommen werden. Diese Maßnahmen stellen in keinster Weise eine wirksame Lösung des Problems der Überflutung dar, sondern werden - im Gegenteil -aufgrund der Kanalisierung des Flusses die Situation drastisch verschärfen! In vielen Ländern Europas ist man - nicht zuletzt aufgrund der Fluten im letzen Sommer - zur Erkenntnis gelangt, dass in der Steigerung und Verbesserung der natürlichen Rückhaltekapazitäten der Flüsse die einzige Lösung für den modernen Hochwasserschutz liegt. "Die Einengung der Flüsse hat sich als wiederholter Fehler erwiesen.", erklärt Dr. Klement Tockner, von der EAWAG Schweiz.

Positive Alternativen bestehen - und müssen nach EU-Recht erarbeitet und geprüft werden!

Zahlreiche Renaturierungen im Alpenraum zeigen sehr deutlich, dass dies der Weg der Zukunft für unsere Flüsse ist. "Die Life Projekte am Tiroler Lech und der Oberen Drau zeigen, dass es auch im Alpenraum bereits konkrete Beispiele gibt, die als Modell für den Tagliamento dienen können", so Hermann Sonntag. Trotzdem wurden bisher von Seiten der Italienischen Behörden und Politiker keine Alternativen zu den Projekten am Tagliamento entwickelt. Diese "Alternativenprüfung" ist nicht nur eine Forderung von Seiten der Initiative sondern in Natura 2000 Gebieten von der Europäischen Union verpflichtend vorgeschrieben. Wird diese Alternativenprüfung nicht durchgeführt, bedeutet dies den Bruch von EU-Recht. "Sollte die Italienischen Behörden weiterhin an den Plänen festhalten, bedeutet dies die Verletzung von mehreren Europäischen Richtlinien", warnt Hermann Sonntag vom WWF Alpenprogramm.

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