ÖAMTC: Höhere Steuern machen die Luft nicht reiner

Club liefert Lösungsansätze für sauberen Diesel und ökonomisches Autofahren

Wien (ÖAMTC-Presse) - 70 Prozent aller im Jahr 2002 neu zugelassenen Autos sind mit Diesel betrieben. Preiswerter als Benzin, geringerer Verbrauch und damit weniger CO2-Emissionen - das machte Dieselautos zum Verkaufsschlager. Rußpartikel in der Luft veranlassen die Politiker aber immer häufiger, über eine höhere Besteuerung zu diskutieren. "Die Nachteile des Diesels müssen reduziert werden, damit er seine CO2-Vorteile weiter ausspielen kann", sagt ÖAMTC-Generalsekretär Hans Peter Halouska, "denn höhere Steuern machen die Luft nicht reiner." Der Lösungsansatz des Clubs geht in Richtung vorgezogener Entschwefelung von Dieselkraftstoff, weil nur so eine rasche Senkung der Partikelemissionen möglich ist. Der Generalsekretär appelliert daher an die Mineralölwirtschaft: "Aus ökologischer Sicht muss schwefelfreier Kraftstoff raschest möglich in Österreich flächendeckend angeboten werden." Gleichzeitig gehört die Einführung geeigneter Technologien zur Abgasreinigung, z.B. Partikelfilter, für alle Dieselautos vorangetrieben.

Aufgrund der EU-Gesetzgebung ist derzeit ein maximaler Schwefelgehalt von 350 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Kraftstoff erlaubt. Eine EU-Richtlinie schreibt ab 1.1. 2005 "schwefelarmen" Kraftstoff mit maximal 50 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Kraftstoff vor. Ab 1.1. 2009 ist "schwefelfreier" Kraftstoff mit maximal 10 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Kraftstoff verbindlich anzubieten. "Die Investitionen müssen ohnehin vorgenommen werden", argumentiert ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang, "je früher der schwefelfreie Diesel an den Zapfsäulen angeboten wird, desto besser. Die Zusatzinvestition von 'schwefelarm' auf 'schwefelfrei' ist außerdem geringer als im ersten Schritt."

Geht der Schwefelgehalt gegen Null, reduzieren sich die Partikelemissionen um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig wird der sinnvolle Einsatz von modernen Technologien zur Abgasreinigung -Partikelfilter und Stickstoff-Katalysator - möglich. Bei hohem Schwefelgehalt kann bei diesen Technologien keine vernünftige Lebensdauer erzielt werden. "Die Autohersteller sind gefordert, Techniken zur Abgasreinigung möglichst rasch anzubieten. Eine flächendeckende Implementierung kann allerdings bis zu zehn Jahre dauern", so der Club-Techniker, "die Entschwefelung von Diesel als Voraussetzung dafür muss daher so rasch wie möglich umgesetzt werden."

1990 waren ein Viertel der Pkw-Neuzulassungen Dieselautos, 2002 bereits 70 Prozent. "Durch die gesunkene Nachfrage bei Benzinern wegen des anhaltenden Dieselbooms sind uns 1,5 Millionen Tonnen CO2 erspart geblieben", rechnet Max Lang vor. "Jene Autobesitzer, die auf Diesel umgestiegen sind, jetzt mit höheren Steuern zu belasten, wäre ungerecht und bringt vor allem der Umwelt nichts."

Steuerbegünstigung auf umweltfreundliche Kraftstoffe

"Steueranreize statt Steuererhöhung muss das Motto für die rasche Verbreitung von entschwefelten Kraftstoffen sein", sagt ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brugger-Brandau. Die Splittung von Mineralöl-Steuersätzen hat sich nicht nur bei der Einführung von unverbleitem Benzin 1985 bewährt, sondern in ähnlicher Form auch bei der Diesel-Entschwefelung in Deutschland.

In Deutschland hat die Autoindustrie, unterstützt vom ÖAMTC-Schwesterclub ADAC, eine Initiative zur rascheren Entschwefelung der Kraftstoffe gestartet, die von der Mineralölwirtschaft bereits umgesetzt worden ist. In einem ersten Schritt wurden im November 2001 Kraftstoffe mit maximal 50 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Kraftstoff auf den Markt gebracht, die steuerlich um 1,5 Cent günstiger angeboten wurden als die schwefelhältigen. Ab Jänner 2003 wurde dieselbe Regelung auf Kraftstoffe mit maximal 10 Milligramm Schwefel pro Kilogramm Kraftstoff ausgedehnt. Seither wird nur noch schwefelfreier Kraftstoff angeboten. "Ein Modell, das auch in Österreich funktionieren könnte, vorausgesetzt die Mineralölindustrie geht den Weg mit", so Brugger-Brandau.

Die - steuerbereinigten - Nettopreise der Kraftstoffe sind in Österreich ohnehin meist um mehr als 1,5 Cent pro Liter höher als im EU-Durchschnitt. "An den besseren Umweltstandards, wie oft begründet wird, kann es nicht liegen", kritisiert Brugger-Brandau, "die deutsche Dieselqualität ist bereits schwefelfrei, die Preise liegen trotzdem unter den österreichischen Nettopreisen."

Die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin fordert die Mineralölindustrie auf, in Anlehnung an das deutsche Beispiel zu agieren. Gibt es für die Konsumenten steuerliche Anreize für schwefelfreie Kraftstoffe, müsste nach den Regeln des freien Marktes der Wettbewerb greifen. Anbieter, die schwefelarmen oder schwefelfreien Kraftstoff selbst importieren und bewerben, können sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

"Überlegenswert wäre auch eine Deklarationspflicht", schlägt Brugger-Brandau vor, "jeder Kunde sollte an der Tankstelle sofort erkennen, ob er schwefelhältigen Kraftstoff tankt oder schwefelarmen beziehungsweise schwefelfreien." Damit wird auch auf Bewusstseinsbildung gesetzt und umweltfreundliches Tanken entsprechend kommuniziert: Wer auf schwefelfreien Diesel setzt, trägt schließlich zum Schutz der Umwelt bei.

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Ein Interview mit ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang und der Verkehrswirtschaftsexpertin des Clubs, Elisabeth Brugger-Brandau, ist via APA-Audio-Plattform abrufbar.

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