Kostelka: Nase - Fisch des Jahres 2003

Tierschutz darf nicht an der Wasseroberfläche enden

Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF), Österreichischer Fischereiverband (ÖFV) - Wien (SK) Die drei größten Österreichischen Fischereiorganisationen - Verband der Österreichischen Arbeiter-Fischerei-Vereine (VÖAFV), Österreichisches Kuratorium für haben sich zusammengetan, um die Nase zum Fisch des Jahres auszurufen. Das gab VÖAFV-Präsident Peter Kostelka am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Vertretern der drei Verbände bekannt. Nur noch 8.000 ausgewachsene Nasen gibt es in der Donau, diese Fischart sei akut vom Aussterben bedroht, machte Kostelka deutlich. ****

Der aktuelle Zustand unserer Gewässer und die akute Bedrohung der heimischen Gewässer haben die drei Fischereiorganisationen, die zusammen 400.000 Angler Österreichs repräsentieren, zum Anlass genommen, um erstmals gemeinsam auf dieses gravierende Umweltproblem aufmerksam zu machen. So soll im Jahr 2003, dem "Jahr des Wassers", verstärkt auf die Unterwasserlebewesen aufmerksam gemacht werden. Denn Tierschutz dürfe nicht an der Wasseroberfläche enden, betonte Peter Kostelka. Überregionale und länderübergreifende Gewässerrenaturierungskonzepte seien nötig, um eine Verbesserung der heimischen Aquafauna zu erreichen. Daher müssten endlich einheitliche fischereiliche Maßnahmen über die Bundesländer hinausgehend geschaffen werden, forderte der VÖAFV-Präsident.

Die Nase hat ihren eigentümlichen Namen aufgrund ihrer Körperform, informierte Albert Jagsch (ÖFV) vom Bundesinstitut für Fischereiwirtschaft. Die Nase ist ein in Gruppen lebender Bodenfisch, der schnell fließendes Wasser mit kiesigem bis sandigem Grund bevorzugt. Sie kommt in ganz Mitteleuropa in der so genannten unteren Äschen- und Barbenregion vor und wird bis zu 60 cm lang, die meisten Nasen weisen eine Größe von 30 bis 50 cm auf. Ein Grund für die akute Bedrohung der Nasen sei, dass der Mensch den bevorzugten Lebensraums dieser Fische, nämlich die Unterläufe der Fische, massiv verbaut habe, erklärte Stefan Schmutz (ÖKF) von der Universität für Bodenkultur.

Die Gefährdung der Nasenpopulation in den heimischen Gewässern ist dem VÖAFV seit Jahren bekannt, so der Vizepräsident des VÖAFV, Fritz Zabka. In der Salzach, in der die Nase als ausgestorben gilt, wurden seit dem Jahre 1998 insgesamt 23.000 Stück Nasen ausgesetzt. Ein groß angelegtes Projekt zur Förderung der Nasenpopulation startete der VÖAFV in der Wachau. Als Sofortmaßnahme werden in den nächsten drei Jahren insgesamt 40.000 Stück Nasen besetzt. Als nächsten wichtigen Schritt wird der VÖAFV den Mündungsbereich des Spitzerbaches, einen der bedeutenden Bäche in der Wachau, zu einem Nasenlaichplatz umbauen.

Die Nase sei einst DER Massenfisch in der Salzach gewesen, so Regina Petz-Glechner (ÖFV) vom Landesfischereiverband Salzburg. Wanderhindernisse unterbrachen den jährlichen Zug von etwa 150.000 Nasen zu ihren Laichplätzen, sodass bis vor ein paar Jahren die Salzach-Nase fast ausgerottet war. Einem Wiedereinbürgerungsprojekt (1995-1999) des Landesfischerverbandes Salzburg sei es zu verdanken, dass sich die Bestände langsam wieder erholen, so Petz-Glechner. Die Nase ist daher laut Salzburger Fischereiverordnung 2003 ganzjährig geschont.

Die Nase war "Brotfisch" der Berufsfischer, so ÖKF-Vizepräsident Helmut Belanyecz. Zum Ablaichen und als "Kinderstuben" für die Jungfische benötige die Nase vielfältige Uferstrukturen mit Buchten und Schotterbänken. Durch die Flussregulierungen, Stauwehre und den Wellenschlag der Schifffahrt gingen die Bestände drastisch zurück. Trotzdem machten in den naturnahen Gewässerstrecken die Nasen noch bis zu 50 Prozent des Fischbestandes aus. Mit dem Einfallen der Kormoranschwärme seien diese Bestände seit den 90er Jahren zusammengebrochen. Es müssten daher Maßnahmen zur Einschränkung der Kormorane gesetzt werden, forderte Belanyecz. (Schluss) ps

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