Grillitsch: Bäuerinnen schaffen Basis für lebenswerten ländlichen Raum

Bundesbäuerinnentag im Rahmen der Wintertagung 2003

Wien (AIZ) - "Bäuerinnen sind das Paradebeispiel dafür, dass Frauen- und Familienpolitik aktiv gelebt werden kann und nicht nur darüber geredet wird. Die Frauen in der Land- und Forstwirtschaft haben gelernt, sich in höchst professioneller Weise den wirtschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Sie sind anerkannte Dienstleister im Konsumbereich und im Tourismus." Dies stellte der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Fritz Grillitsch, heute beim Bundesbäuerinnentag in Salzburg fest. Die Direktvermarktung von Lebensmitteln sei fest in weiblicher Hand. Urlaub am Bauernhof sei ohne die Bäuerinnen nicht denkbar, so Grillitsch. "Die Bäuerinnen erschließen ständig neue wirtschaftliche Zweige. In umfassenden Ausbildungsprogrammen lassen sie sich in der Alten- und Kinderbetreuung ausbilden und schaffen damit zusätzliche Arbeitsplätze am eigenen Bauernhof", so der Präsident. In Österreich sind rund 230.000 Bäuerinnen in Organisationen zusammengeschlossen.

"Der Einsatz von Österreichs Bäuerinnen garantiert weiterhin die Möglichkeit einer flächendeckenden und familienbetrieblich strukturierten Landwirtschaft, die das Bild unseres Landes so nachhaltig prägt. Wir verabsäumen es oft, den Bäuerinnen für diese wichtige Arbeit in gebührender Weise zu danken. Dies möchte ich bei dieser Gelegenheit gerne nachholen", so Grillitsch beim Bundesbäuerinnentag, der im Rahmen der Wintertagung des Ökosozialen Forums stattfindet. Bäuerinnen seien nicht zuletzt auch unverzichtbare politische Funktionärinnen, die Einfluss auf das Fortkommen einer gesunden und intakten Gesellschaft nehmen.

Faire Rahmenbedingungen für ländlichen Raum notwendig

Die Bäuerinnen und der ländliche Raum insgesamt bräuchten langfristig planbare, faire Rahmenbedingungen, sagte Grillitsch. Deshalb fordere der Österreichische Bauernbund insbesondere einen gerechten Finanzausgleich. Konkret solle der abgestufte Bevölkerungsschlüssel in Richtung einer aufgabenorientierten und adäquaten Finanzierung der Gemeinden umgestellt werden. Dabei müssten die höheren Kosten für Infrastruktureinrichtungen, der Nachholbedarf bei Infrastrukturinvestitionen und die Einkommenssituation der Bevölkerung berücksichtigt werden.

Besonders im Sozialbereich sei nach neuen Lösungsmodellen zu suchen, da die Kostenbelastung für Landgemeinden steige und durch die demografische Entwicklung das Abgabenaufkommen eher im Sinken begriffen sei. Die Kommunen müssen durch eine entsprechende finanzielle Ausstattung in der Lage sein, ihren Standort serviceorientiert weiterzuentwickeln. "Das betrifft nicht nur den Wirtschaftsstandort, sondern auch Standorte von Bildungs- oder Sozialeinrichtungen", erläuterte Grillitsch. Dies wäre insofern sehr wichtig, weil damit Arbeitsplätze für junge, gut ausgebildete Leute geschaffen beziehungsweise erhalten werden könnten und damit die selektive Abwanderung verhindert oder gebremst werde.

Kommunale Kooperationen forcieren

"Im Bereich der technischen Infrastruktur sind angepasste Lösungen für dünn besiedelte ländliche Räume zu finden. Kommunale Aufgaben sollen genau definiert werden, der daraus resultierende Finanzbedarf und die Finanzierung müssen erhoben und entwickelt werden. Zur Erfüllung dieser Aufgaben müssen die Gemeinden eigenständig in der Lage sein, ohne die Gebühren- und Abgabenbelastung explodieren zu lassen", unterstrich der Präsident. Die Gemeinden selbst sollten verstärkt situationsbezogen zusammenarbeiten und Gemeindeverbände bilden können. Dabei sei je nach Aufgabe ein flexibles Modell zu bevorzugen.

Nahversorgung aufrechterhalten

"Die Nahversorgung ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, weil sie ein wesentliches Kriterium für die Lebensqualität ist", zeigte sich Grillitsch überzeugt. Aus diesem Grund dürfe es nicht zu einem "Absaugen" dieser Funktion in urbane Ballungsräume kommen. Im Rahmen der Entwicklung von kleinregionalen Zentren sollten Strukturen unterstützt werden, die eine Grundversorgung sicherstellen. Auch in diesem Bereich sei auf innovative Konzepte zurückzugreifen (Shop-in-shop-Modelle, mobile Nahversorger, Gasthausshops).

"Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinden solche Kooperationen selbst entwickeln und diese nicht von oben verordnet werden. Prosperierende und vitale Gemeinden sind die Basis für ein prosperierendes und vitales Land, in dem die Menschen höchste Lebensqualität genießen können", erklärte Grillitsch.
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