Korrektur zu OTS0098!

Heimarbeit: 5.000 Geschädigte, 9.000 Aktenseiten!

Utl: Mit der gestrigen Verhandlung wurden die jahrelangen Warnungen der AKNÖ-Konsumentenschützer vollinhaltlich bestätigt.

Im ersten Absatz wurde ergänzt: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wien (AKNÖ) – Gestern fand am Landesgericht Korneuburg eine Verhandlung wegen gewerbsmäßigen Betruges gegen Manuela und Rosa Gutdeutsch statt. Über Inserate boten sie Heimarbeitsangebote an. Der Staatsanwalt Dr. Friedrich Köhl musste sich durch Aktenberge wühlen, mehr als 9.000 Seiten mussten durchgeackert werden. Unter dem Vorsitz von Dr. Manfred Hohenecker wurde Manuela Gutdeutsch wegen ihres Beitrags zum gewerbsmäßigem Betrug zu einer 2 Jahre bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verhandlung gegen Rosa Gutdeutsch wurde ausgesetzt, weil sie krankheitsbedingt verhindert war.

Besonders die Mutter Rosa Gutdeutsch ist den Konsumentenschutzexperten der Niederösterreichischen Arbeiterkammer (AKNÖ) schon seit einigen Jahren gut bekannt. Es gab bereits zahlreiche Beschwerden und Anfragen durch arbeitssuchende Verbraucher. Aus diesem Grund vermuten die AK-Experten auch, dass die Dunkelziffer der Betroffenen weit mehr als 5.000 beträgt.

Beschwerde-Hotline bescherte zusätzliches Kleingeld

Die AKNÖ-Konsumentenschutzexperten warnen vor diesen scheinbar lukrativen Nebenjob-Inseraten. Häufig wird gegen einen nicht unerheblichen Geldbetrag Arbeitssuchenden statt wertvoller Hilfe nur wertloses Informationsmaterial zugesandt. "Gerade Frauen und Mütter, die sich ihr kleines Einkommen oder das Wirtschaftsgeld ein wenig aufbessern möchten, sind davon betroffen. Oft sind diese Frauen nur eingeschränkt mobil – Heimarbeit scheint da die Lösung für ihre finanziellen Probleme zu sein", ist Josef Staudinger, Präsident der AKNÖ, empört. Die Arbeiterkammer weist schon seit vielen Jahren auf die zum Teil betrügerischen Machenschaften der Nebenerwerbsanbieter hin. In vielen Tageszeitungen tauchen Kleinanzeigen auf, die gewinnbringende Zusatzeinkommen vorgaukeln.
Doch Erfahrungen der AKNÖ-Konsumentenschützer zeigen, dass zumeist der Konsument draufzahlt. Günther La Garde, Konsumentenschützer in der AKNÖ, will gar nicht glauben, mit welchen Tricks in dieser Branche gearbeitet wird: "In der gestrigen Verhandlung wurde offensichtlich, wie groß der Einfallsreichtum in diesem Mutter-Tochter-Unternehmen war. Den Interessenten wurden gegen vorherige Bezahlung zerlegte Kugelschreiber zugesandt, die davor von den Mitarbeitern in ihre Einzelteile zerlegt worden waren. Dann wurden diese wieder von den Konsumenten zusammengebaut und an die Firma geschickt. Nur um dann wieder auseinandergenommen zu werden und an den Nächsten geschickt zu werden." Es geht aber noch bunter: Eben jene beiden hatten eine eigene Beschwerde-Hotline eingerichtet. Natürlich lief auch diese unter einer teuren Mehrwertnummer. Dazu La Garde: "In der Verhandlung wurde zwar darauf hingewiesen, dass Kunden, die hartnäckig urgierten, ihr Geld zurückbekommen haben. Aber diese Gespräche wurden über die Mehrwertnummer geführt. Die Konsumenten haben sich also selbst ausbezahlt."

Vorsicht, wenn Geld verlangt wird!

Die AKNÖ-Experten warnen daher dringend davor, gutgläubig Heimarbeit anzunehmen. Wenn Sie ein solches Inserat lesen, daran interessiert aber unsicher sind, ob das Angebot auch wirklich seriös ist, wenden Sie sich an die Arbeiterkammer. Höchste Vorsicht ist geboten, wenn man im Vorhinein schon bezahlen soll. Prinzipiell, das ist der einhellige Tenor der Konsumentenschützer, kann man davon ausgehen, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, lukrative Heimarbeit über Inserate beworben zu finden.

Zwtl. Tipps zur Heimarbeit

Wichtige Tipps der AKNÖ zum richtigen Umgang zur Heimarbeit:
· Vorerst beim AMS (Arbeitsmarktsservice) nachfragen, welche seriösen Firmen Heimarbeit anbieten.
· Auf keinen Fall mit Firmen Verträge eingehen, die eine Abnahmeverpflichtung des Materials vorschreiben und dafür eine Anzahlung verlangen.
· Meiden Sie auf jeden Fall Firmen, die nur ein Postfach angeben
oder eine Mehrwerttelefonnummer.
· Je verlockender das Angebot, desto größere Vorsicht ist geboten.

Die AKNÖ-Konsumentenschützer werden auch weiterhin mit Argusaugen die Inserate in Tages- und Wochenzeitungen beobachten. Alle verdächtigen Anzeigen werden sie unverzüglich der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis bringen.

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