Handke fordert Schweigen Europas und Entwaffnung der USA

Wien (OTS) - Peter Handke nimmt in einem Interview für die morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe in scharfer Form zu den amerikanischen Kriegsvorbereitungen und den europäischen Protesten Stellung. Handke:
"Ich werde von Tag zu Tag zorniger. Plötzlich sind alle gegen den Krieg. Sogar Monsieur Chirac spricht davon, dass alles sein Recht haben muss. Aber in Jugoslawien, das mitgeholfen hatte, die Welt vom Nazitum zu befreien, war das Recht völlig egal (...) Das Recht war unwichtig, jetzt muss es plötzlich gewahrt werden. Deshalb will ich nicht mit dem Gesindel, das den Krieg gegen Jugoslawien befürwortet hat, in irgendetwas einstimmen. Die europäischen Staaten haben sich für alle Zeiten strafbar gemacht. Jetzt haben sie in Jugoslawien ihren Blutdurst gestillt - vor allem Deutschland hatte da ja einen gewissen Nachholbedarf -, und plötzlich sind alle diese Verbrecher für den Frieden."

Bushs Kriegsvorbereitungen missbilligt Handke entschieden:"Den Irak hätte man von zehn Jahren entwaffnen müssen, als dort die Kurden gekillt und die Schiiten vernichtet wurden. Aber was soll das jetzt? Man soll lieber Amerika entwaffnen. Das wäre die Lösung, denn die haben die schlimmsten Waffen. Man hat schon argumentiert, man müsse Afghanistan angreifen, damit die armen Leute in den Twin Towers nicht umsonst gestorben sind. Aber erst als man im Namen des Christentums die Menschen in Afghanistan getötet hat, sind die Menschen in den Twin Towers umsonst gestorben. Jetzt will man noch mehr Iraker töten (...) Im Namen des Christentums und des Geldes werden die Opfer aus den Twin Towers noch einmal geopfert."

In NEWS kommen auch andere bedeutende Autoren zum Thema zu Wort.

Elfriede Jelinek:"Bush ist krank und die Marionette seiner Berater, die sich verhalten, als gäbe es noch den Kalten Krieg. Ein Irak-Krieg ist völkerrechtswidrig und trägt für die USA den Keim der Vernichtung in sich: Amerika wird implodieren wie das alte Rom, wenn es diese dumme Politik weiter betreibt. Der Terrorismus wird dadurch nicht beendet, sondern über die ganze Welt verschleppt."

Javier Marias: "Notwendige Kriege sind furchtbar (und manche waren meiner Meinung nach notwendig, wie z. B. der Krieg gegen Hitler), unnötige Kriege sind verbrecherisch. Ich bin der Ansicht, der kommende Krieg gegen den Irak ist total unnötig und hat im Augenblick keinerlei Berechtigung."

Peter Turrini: "Natürlich verabscheue ich Saddam Hussein, die arabische Ausgabe eines mordlustigen Revolverhelden, aber ich halte George Bush für seine westliche Entsprechung. Nicht weniger schießwütig, von gleicher emotioneller und geistiger Beschränkung, einherschreitend in der Pose des Rächers, cool wie ein Marshal der Vereinigten Staaten."

Henning Mankell: "Es ist wichtig, dass wir das Recht des Irak verteidigen, seine eigenen politischen Lösungen zu finden. Ich mag Saddam Hussein ablehnen, was ich naturgemäß tue - aber ich bin nicht der richtige, ihn zum Rücktritt aufzufordern. Das ist ganz und gar Angelegenheit des irakischen Volkes."

Leon De Winter: "Jeder Krieg bedeutet Leiden für Unschuldige und Schuldige. Doch, was ist der Preis für ein Verhindern des Krieges? Wie können wir mit dem Wissen leben, dass Saddam nach dem ersten Golfkrieg 200.000 seiner eigenen Leute umbringen ließ? Das sind wesentlich mehr Unschuldige als durch die US-Bombardements umgekommen sind. Doch wenn die Amerikaner drohen, diesen Mann zu töten, geht man hier demonstrieren. Gegen Saddam geht niemand auf die Straße. Natürlich bin ich für den Frieden. Man kann den USA nicht blind vertrauen. Aber Saddam? Noch viel weniger!"

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