Böhmdorfer zur strafrechtlichen Verantwortung bei Lawinenabgängen

Eigenverantwortung des Schifahrers als Unfallvorbeugungsfaktor

Wien (OTS) - "Im Zusammenhang mit Lawinenabgängen stellt sich -neben der zivilrechtlichen - auch die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung der Betroffenen. Das Justizministerium versucht daher einen kurzen Überblick über die betreffenden Gesetzesmaterien zu geben", meinte heute Justizminister Dr. Dieter Böhmdorfer in einer zweiteiligen Aussendung.

Im allgemeinen können im Zusammenhang mit Lawinenabgängen aufgrund des Verhaltens einzelner Personen vor allem Fahrlässigkeitsdelikte bei der strafrechtlichen Verantwortung in Frage kommen. Grundsätzlich handelt es sich beim Schifahren aber um "erlaubtes Risiko". Die regelkonforme Ausübung ist also nicht rechtswidrig. Der Verantwortliche muss aber jene Sorgfalt beachten, die von einem einsichtigen und verantwortungsbewussten Menschen erwartet werden kann.

Im Folgenden soll die strafrechtliche Verantwortung einzelner Personengruppen näher beleuchtet werden:

Betreiber von Schiliften:
Eine strafrechtliche Verantwortung von Betreibern von Schiliften kommt in Betracht, wenn diese in ihrem Einflussbereich liegende Pisten oder offenes Gelände trotz entsprechender Lawinenwarnung nicht sperren.

Schifahrer:
Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit eines Schifahrers wird insbesondere beim Befahren von Hängen abseits der gesicherten Pisten bei bekannter Lawinenwarnung in Betracht kommen. Das gleiche gilt beim Befahren von Pisten, die wegen bestehender Lawinengefahr von den jeweils Verantwortlichen gesperrt wurden.

Schilehrer, Schi- und Bergführer:
Sie sind keine (Lawinen)Sachverständigen. Sie haben aber für jenes Wissen um die Zusammenhänge bei der Lawinengefahr einzustehen, das von einem einsichtigen und gewissenhaften Schiführer erwartet werden konnte. Eine strafrechtliche Verantwortung wird daher nur bei Fehlen eines solchen Wissens oder Zuwiderhandeln gegen solches Wissen in Betracht kommen.

Lawinenkommissionen:
Mitglieder von Lawinenkommissionen befinden sich in einer schwierigen Situation. Hundertprozentige Prognosen über die Lawinengefahr lassen sich nicht erstellen. Von einer strafrechtlichen Haftung wird daher nur dann ausgegangen werden können, wenn eine typische Lawinengefahr (wegen der Neuschneemenge, Durchfeuchtung des Schnees, Steilheit des Geländes unter anderem) schuldhaft nicht erkannt worden ist.

"Die Prüfung der Strafbarkeit eines möglichen Verursachers eines Lawinenabganges wird jedoch wesentlich von den Umständen des Einzelfalles abhängen und kann daher in dieser Allgemeinheit nicht abschließend beurteilt werden", stellte Böhmdorfer fest. (Fortsetzung)
BXF

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