"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der letzte Aufstand der Zwerge gegen die Supermacht Amerika" (Von Günter Lehofer) Ausgabe vom 10.02.2003

Graz (OTS) - Die meisten Europäer sind gegen den Krieg im Irak.
Er wird dennoch geführt werden. Denn für den Krieg werden nicht die meisten Europäer gebraucht, sondern von allen Eu ropäern wird nur eine Anzahl britischer Berufssoldaten benötigt. Die marschieren, wenn der Befehl da ist.

Die Regierungen in Europa haben sich in zwei Lagern gesammelt. Die einen unterstützen schon jetzt Amerika, die anderen suchen weiter nach einem Weg, den Krieg zu verhindern. Da wird schon geblufft. Die Franzosen wollen nur einen Alleinsieg der Amerikaner verhindern, nicht den Krieg. Ein Sieg mit französischer Beteiligung ist erwüscht. Derzeit handelt Paris mit Washington den Preis dafür aus. Für Russen und Chinesen gilt das ebenso.

Selbst ein so antiamerikanischer Staat wie der Iran spricht vom Vorrang der "eigenen Interessen", nicht etwa vom Vorrang des Friedens. Der Iran hat kein Interesse am Regime von Saddam Hussein. Er will aber kein westliches Regime im Irak, sondern ein islamisches. Eine gemäßigte Diktatur nach Saddam - was die wahrscheinlichste Nachfolgeregierung sein wird - würde die Falken unter den iranischen Islamisten schwächen. Im Südirak leben Millionen von Glaubensfreunden, die Schiiten. Werden sie weniger hart regiert als die Schiiten im Iran, könnten auch im inneriranischen Machtkampf die liberalen Oberwasser gewinnen.

So wie im Iran gehen die Interessen in fast allen betroffenen Staaten in mehrfacher Weise durcheinander. Um den reinen Frieden geht es nirgendwo.

Wenn nun die deutsche Regierung in reiner Verzweiflung einen Plan zur Entwaffnung des Irak ausgeheckt hat, dann lachen darüber die Hühner. Selbst die Franzosen wollen öffentlich nicht dahinterstehen. Die Hilfe durch den russischen Präsidenten Putin dauert nur solange, bis er sich mit den Amerikaner einig geworden ist. US-Außenminister Colin Powell sagte zutreffend, der Plan sei keine Lösung, sondern eine Ablenkung. Der einzige Sinn des Planes ist das Weiterleben der rotgrünen Regierung. Man könnte auch sagen, es ist der letzte Aufstand der Zwerge gegen die Supermacht Amerika, bevor diese losschlägt.

Die Grundsstruktur des Konfliktes bleibt seit Monaten unverändert einfach. Die USA wollen Saddam Hussein von der Macht entfernen. Geht das nicht ohne Krieg, sind sie zum Krieg bereit. Saddam Hussein ist der beste Garant für den Krieg. Hussein wird pokern, bis der erste GI in seinem Zimmer steht. Wenn Hussein solange überleben sollte. Das Sterben der Iraker ist Hussein noch um vieles gleichgültiger als es den Amerikanern ist. ****

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