Ärzteinitiative ortet Funktionärsprivilegien und Misswirtschaft in der Ärztekammer Wien

Wien (OTS) - In der Wiener Ärzteschaft regt sich gewaltiger Unmut vor den anstehenden Kammerwahlen. Während Standesvertretungen anderer Berufsgruppen Promillbeträge ihres Einkommens für ihre Zwangsmitgliedschaften bezahlen, müssen bisher von den Wiener Ärzten bis zu 3,2 % ihres Einkommens - also mehr als die gesetzlich zulässige Höchstgrenze abgeführt werden. Funktionäre der Kammer dagegen zahlen durch eine besondere Festlegung der Bemessungsgrundlage nur ca. 1% ihres Einkommens. Daher hat sich eine Gruppe namhafter Wiener Ärztegegründet, die dafür eintritt, einen einheitlichen Kammerbeitrag von 0,3% für alle Mitglieder durchzusetzen.

Nachdem bereits die bisherige Umlagenordnung vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) im Jahr 2001 aufgehoben wurde, haben jetzt auch die Mitglieder einer "Kammerinitiative 0,3%" vor dem VfGH Beschwerde gegen Art und Höhe der jetzigen Kammerumlage eingereicht. "Bei der höchsten Ärztedichte im Wiener Stadtgebiet müsste die Wiener Kammer eigentlich die geringsten Kosten aller Kammern verursachen. Das Gegenteil ist der Fall, die Wiener Ärztekammer erhebt mit Abstand die höchsten Kammerbeiträge im gesamten deutschsprachigen Raum" sagt der Sprecher der Initiative Prim. Univ.-Doz. Dr. Gerd Reuther.

Immer wieder haben Ärzte erfolgreich Beschlüsse ihrer Kammer beeinsprucht. Dennoch ist es der Kammer bis heute gelungen, Beiträge einzuheben, deren Höhe in Mitteleuropa einzigartig ist. Derzeit sind allein die Bezüge von 74 Funktionären höher als das gesamte Budget der Ärztekammer für das Burgenland. Die Kammerführung zeigt sich unbeeindruckt und beteuert, einen "rigorosen Sparkurs" zu fahren.

Für die Kammerwahlen ist abzusehen, dass die Wiener Ärzte den bisherigen Mehrheitsfraktionen scharenweise die Gefolgschaft verweigern werden und ein radikaler Umbau der Kammer ansteht. Für eine Überraschung bei den Wahlen könnten die Ärzte-Senioren gut sein, denen trotz eines VfGH-Erkenntnis aus dem Jahr 2001 von der Kammer kein ordentlicher Mitgliederstatus zugebilligt wird und denen damit der Urnengang am 5. April rechtswidrig verwehrt wird.

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