"Neues Volksblatt" Kommentar: "Mondfenster" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 6. Februar 2003

Linz (OTS) - Folgten die Grünen rein den Gesetzen politischer Logik, könnten sie eigentlich nicht anders, als das sich ihnen bietende Mondfenster für echte Koalitionsverhandlungen zu nutzen. Denn de facto ließe sie - auch, wenn es so manchem Fundi-Funktionär nicht einsichtig ist - eine allfällige Regierungsbeteiligung nur gewinnen.
In mehrfacher Hinsicht: Erstens wäre in Regierungsverantwortung mit Sicherheit ein Mehr an "grüner Politik" umzusetzen als aus der Opposition - selbst unter Berücksichtigung der vom Wähler zugeschriebenen Stärkeverhältnisse. Das Argument vom Juniorpartner, der in Koalitionen leicht unterzugehen droht, trifft auf Grund dieser (im Vergleich zur sonstigen permanenten Oppositionsrolle deutlich besseren) Profilierungschancen nur bedingt zu. Zweitens wäre es praktisch ihre einzige Chance, das sonst politisch jederzeit wieder abrufbare Bild einer grünen "Chaostruppe" zu widerlegen. Und drittens bleibt das Faktum, dass den Grünen der professorale Habitus ihres Parteichefs nicht so wenige Stimmen aus eher bürgerlichen Schichten gebracht hat. Wenn sich nun gerade Wiens Grüne in innerparteilicher Opposition üben: Ihren Wahlerfolg in der Bundeshauptstadt haben sie nicht der Fundi-Fraktion um Margulies & Co, sondern Van der Bellen zu verdanken.

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