"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die USA verhandeln nur noch um den Zeitpunkt für den Krieg (Von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 06.02.2003

Graz (OTS) - Beweise dürftig. Vor US-Gericht würde Hussein freigesprochen.

Klarer als Colin Powell es gesagt hat, kann man es nicht sagen, dass die USA meinen, der Irak werde sich nur mit Krieg entwaffnen lassen. Der Irak habe Waffen versteckt, er verbiete Wissenschaftlern die Ausreise, um frei aussagen zu können, er habe nicht nachgewiesen, dass er seine chemischen und biologischen Waffen vernichtet habe. Nach der UNO-Resolution 1441 ist der Irak verpflichtet, diese Informationen zu liefern. Die "Inspektoren sind keine Detektive", betonte Powell. Da fällt kaum ins Gewicht, dass die Beweise, die Powell vortrug, vor jedem amerikanischen Gericht zum sicheren Freispruch für den Angeklagten führen würden.

Es geht anscheinend nur noch um die Zeit, wann der nächste Krieg beginnt. Die USA und Großbritannien wollen einige Wochen zuwarten. Das hat nichts mit Frieden zu tun. Das hat nur damit zu tun, dass die beiden Staaten noch nicht genügend Bodentruppen vor Ort haben.

Frankreich und Deutschland wollen den Inspektoren so viel Zeit geben, wie diese nach eigener Meinung benötigen. Das könnten Monate sein, vielleicht ein Jahr, vielleicht länger. Der Irak ist viermal so groß wie Österreich. Der Kompromiss zwischen einigen Wochen und einem
Jahr dürfte eher bei den Wochen gefunden werden.

Frankreich, der gewichtigste politische Gegner der Kriegspläne, hat nicht zufällig gestern seinen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" von Toulon in das östliche Mittelmeer ausfahren lassen. Man will dabei sein können, wenn es losgeht. Auf der amerikanischen Siegerseite dabei
sein. Deutschland steht isoliert da. Seine pazifistisch begründete Ablehnung der militärischen Verjagung von Saddam Hussein wird in den Machtzentralen belächelt. Die Friedensbewegung hat auch in den USA machtvoll protestiert, wurde aber für Wahlen nicht mächtig genug. Die Muslime sind zornig
und ohnmächtig.

Bush hatte stets den Vorteil, dass er für den Kampf keine anderen Staaten braucht. Er hat auch den politischen Durchbruch geschafft. Seine angestrebte "Koalition" steht. Mit acht Europäern an Bord, die noch mehr werden dürften, kann er ruhig in den Golfkrieg ziehen. Auch die Russen werden nicht bei den Verlierern sein wollen. Die Türken sind bereit zum Krieg, um ihre Interessen im Kurdengebiet zu sichern.

Mit etwas Glück schaffen die USA sogar eine neue Resolution im Sicherheitsrat, der ihren Krieg absegnen würde. Realistischer ist, dass sie mit der Resignation der vetoberechtigten Mitglieder Frankreich, Russland und China rechnen dürfen. Die arabischen Regierungen ducken
sich.

Welche der schrecklichen oder weniger schecklichen Folgen der Irak-Krieg haben wird, wird man trotz aller Vorhersagen erst nachher wissen.****

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