Niederwieser gedenkt Hermann Schnell

Reformen durch Gesprächskultur

Wien (SK) "Das Ableben des langjährigen sozialdemokratischen Bildungspolitikers Hermann Schnell erfüllt uns nicht nur mit großer Betroffenheit, es ist auch Anlass, seiner bleibenden Leistungen für das österreichische Bildungswesen zu gedenken", unterstrich SPÖ-Wissenschaftssprecher Erwin Niederwieser anlässlich des Todes von Hermann Schnell. "Die Jahre zwischen 1971 und 1983, in denen der amtsführende Präsident des Wiener Stadtschulrates Dr. Hermann Schnell als Abgeordneter zum Nationalrat und Schulsprecher der SPÖ wirkte, waren gekennzeichnet von tiefgreifenden Reformen, die bis heute das österreichische Bildungssystem prägen", so Niederwieser gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

"Schon damals machten das 1962 beschlossene Schulpaket durch die darin verankerte Zweidrittelmehrheit Veränderungen im Schulsystem nur dann möglich wenn es gelang, auch die Zustimmung der ÖVP zu erreichen, und nicht erst seit damals sondern schon seit der Zeit Otto Glöckels bildete eine entscheidende Trennlinie die gemeinsamen Mittelstufe oder Gesamtschule, deren überzeugter Verfechter Hermann Schnell gewesen ist."

Trotzdem sei es Schnell gelungen, in vielen offen Diskussionen und vertraulichen Gesprächen, die von gegenseitigem Respekt getragen waren, Reformen durchzusetzen, die unsere Schule nachhaltig verändert haben. "Das Schulunterrichtsgesetz - als eines der ersten Schul-Reformwerke der Regierung Kreisky am 6.2.1974 beschlossen - war und ist ein wichtiger Schritt zu einer demokratischen Schule und die Einführung der unentgeltlichen Schulbücher und die deutlichen Verbesserungen bei den Schülerbeihilfen waren wichtige Schritte zur Verbesserung der Chancengleichheit", betonte Niederwieser.

Den Abschluss des Wirkens Hermann Schnells bildete die am 30.6.1982 beschlossene 7. Schulorganisationsgesetznovelle. Sie brachte nicht den erhofften Durchbruch für eine gemeinsame Mittelschule, sondern in diesem Bereich nur die Reform der Hauptschule mit der Ablöse der Klassenzüge durch die Leistungsgruppen. Darüber hinaus seien auch Änderungen beschlossen worden, durch welche die österreichischen Schule ihre gute Position im internationalen Vergleich halten konnte:
Die Einführung der Vorschule, eine Senkung der Klassenschülerzahlen, Englisch an Polytechnischen Schulen und Fachschulen, den Fremdsprachenunterricht in der 3. und 4. Klasse Volksschule, die Einführung von Speziallehrgängen und Kollegs, Matura für Kindergärtnerinnen und die Ausweitung der VolksschullehrerInnenausbildung von zwei auf drei Jahre.

"Hermann Schnell musste sich im Kreis sozialdemokratischer BildungsexpertInnen so manchen Vorwurf gefallen lassen, bei der Suche nach Kompromissen, die durch die verfassungsrechtlich zwingende Zustimmung der ÖVP einzugehen waren, zu weit gegangen zu sein. In einer fairen Rückschau wird man zum Ergebnis kommen, dass vieles, was unser Schulsystem moderner und gerechter gestaltet hat, in den Jahren seiner Tätigkeit als Schulsprecher und Präsident des Stadtschulrates geschaffen wurde und dass in spätere Generationen - durch welche Umstände auch immer - diese Reformdynamik nicht mehr erreicht wurde", schloss Niederwieser. (Schluss) ns/mp

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