ÖAMTC und GROSSE SCHÜTZEN KLEINE: Jeder dritte Kindersitz fällt beim Sicherheits-Check durch

Mängelstatistik zeigt Probleme bei der Kindersicherung im Auto auf

Wien (ÖAMTC-Presse) - Im November startete der ÖAMTC gemeinsam mit dem Verein "GROSSE SCHÜTZEN KLEINE" und unterstützt von Johnson & Johnson eine österreichweite Gratis-Aktion zur Überprüfung von Kindersitzen. Alle Eltern konnten einen Monat lang bei den über hundert Dienststellen des Clubs ihre Kindersitze von speziell geschulten Mitarbeitern kontrollieren lassen. 834 Mal wurde von diesem Service Gebrauch gemacht. Für jeden Kindersitz, den der Club für in Ordnung befand, gab es ein "Kindersicher"-Pickerl, auf dem der nächste Überprüfungstermin empfohlen wird. Wegen des großen Erfolgs ist eine Fortsetzung der Aktion im Frühjahr angedacht.

Dass viele Sitze im Umlauf sind, die den heutigen Anforderungen an die Kindersicherheit nicht mehr entsprechen, steht nach der vorliegenden Auswertung der Bewertungsbögen fest. Insgesamt 543 Prüfplaketten wurden vergeben, demnach waren zwei Drittel der geprüften Kindersitze tauglich. Immerhin ein Drittel der Kinder ist aber in mangelhaften Rückhaltesystemen unterwegs und bei einem Unfall folglich großem Risiko ausgesetzt. Nicht nur Marke, Type, Alter und ECE-Label wurden überprüft, sondern auch 23 verschiedene Kriterien am Sitz beziehungsweise in Verbindung mit Kind und Auto getestet.

Die meisten Mängel gibt es bei der Montagefestigkeit

Mit Abstand am häufigsten haperte es bei der Montagefestigkeit, bei über zwölf Prozent der Sitze gab es Beanstandungen. "Viele Lenker wissen nicht, wie fest ein Kindersitz montiert werden kann", stellt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl fest, "aber auch bauliche Unterschiede in Fahrzeugen lassen einen stabilen Einbau nicht zu." Da nicht jeder Sitz zu jedem Auto passt, empfiehlt Kerbl, beim Kindersitzkauf Auto und Kind mitzubringen. Wie nachhaltig dieser Appell noch kommuniziert werden muss, zeigte sich auch bei der aktuellen Überprüfung: Nur knapp die Hälfte der Erwachsenen hat den Nachwuchs mitgebracht.

Typisch bei allen Untersuchungen waren auch Mängel bei der Verwendung von sitzseitigen Gurtsystemen. "Bei elf Prozent der untersuchten Kindersitze war einfach der Gurt verdreht", berichtet Kerbl, "bei knapp zehn Prozent die Gurtpolsterung aufgrund von mangelhafter Pflege abgenutzt und verschlissen." Klassische Fehler fanden die Kindersitz-Tester auch beim Gurtverlauf, dem Öffnen und Schließen vom Gurtschloss und der Spannung des Kfz-Gurtes. "Allesamt Fehler, die man mit Hilfe einer fachkundigen Person selbst beheben kann", weiß der ÖAMTC-Techniker. Wichtig ist, die Anleitung exakt zu studieren und die Gurte regelmäßig auf exakte Führung durch Rückenteil, Gurtklemmen und Gurtschloss zu überprüfen.

Häufig wollen Eltern ihren Kindern den nötigen Druck durch den Gurt ersparen. Tatsache ist aber, dass ein zu lockerer Gurt zu schweren Verletzungen führen kann. So wurde auch bei rund sieben Prozent der getesteten Rückhaltesysteme zu geringe Gurtspannung festgestellt. "Bei einem Aufprall bewegt sich das Kind zuerst unverzögert weiter und wird dann zu abrupt durch den Gurt abgefangen", warnt Kerbl. "Schlimm kann es ausgehen, wenn das Kind durch die lockeren Gurte durchrutscht." Sicher geschützt sind die Kleinen nur, wenn die Gurte stramm angezogen sind. Keinesfalls sollten Kinder unter dem Gurt zu dick angezogen sein.

Bei sechs Prozent der überprüften Sitze wies die Innenschale Brüche oder Risse auf. Wegen leichter Kratzspuren bedarf es noch keiner Erneuerung. Ist jedoch die Schale gebrochen, eingerissen oder verformt, darf der Sitz nicht mehr verwendet werden.

Genauso wenig sollte man Kindersitze weiter benützen, die bei einem Unfall in Mitleidenschaft gezogen wurden. Club-Mitgliedern bietet der ÖAMTC österreichweit die Möglichkeit, kaputte Kindersitze kostenlos umzutauschen. Vorausgesetzt wird, dass der Sitz beim ÖAMTC gekauft worden ist und es zu einer polizeilichen Aufnahme des Unfalls kam. Für jeden kaputten, gibt es dann einen gleichwertigen Sitz aus derselben ECE-Gruppe.

Minus 70 Prozent Tötungsrisiko bei Säuglingen, wenn Sitz richtig verwendet wird

"Durch das relativ hohe Kopfgewicht bei Kleinkindern drohen schwere Verletzungen der Halswirbelsäule, im Extremfall sogar Lähmungen", beschreibt ÖAMTC-Vizepräsident und Unfallmediziner Univ. Prof. Dr. Harald Hertz den Zusammenhang zwischen Verletzungsschwere und mangelhafter Kindersicherung. Optimalen Schutz bieten nur korrekt auf Kind und Fahrzeug abgestimmte Rückhaltesysteme.

"Wird ein Kindersitz ordnungsgemäß verwendet, vermindert sich das Tötungsrisiko bei Säuglingen um 70 Prozent und bei Kleinkindern um 50 Prozent. Ohne Kindersitz ist das Risiko für schwere und tödliche Verletzungen sieben Mal höher. Untersuchungen an der Universitätsklinik für Kinderchirurgie in Graz haben gezeigt, dass ein Kind, das ordnungsgemäß gesichert wird, bei einem Unfall nie schwerer verletzt war als ein mit dem 3-Punkt Gurt gesicherter Erwachsener", stellt Univ. Prof. Dr. Michael Höllwarth, Vorstand der Universitätsklinik für Kinderchirurgie Graz und Präsident von "GROSSE SCHÜTZEN KLEINE" fest.

Nähere Informationen zum Kindersitz-Prüfpickerl von ÖAMTC und dem Verein "GROSSE SCHÜTZEN KLEINE", sowie die detaillierte Auswertung der Mängelstatistik gibt es auf der Website des Clubs unter http://www.oeamtc.at/ sowie unter
http://www.grosse-schuetzen-kleine.at/.

Aviso an die Redaktionen:
Fotos und eine Grafik zu den an Kindersitzen festgestellten Mängeln finden sich auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC Pressestelle
Tel.: (01) 711 99-1218

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0002