"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Landesrat Liebl" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 5. Februar 2003

Innsbruck (OTS) - Beim Streit um die Pitztaler Talabfahrt geht es weder um die Sicherheit, noch um naturschutzrechtliche Bedenken. Beide Seiten argumentieren scheinheilig. In Wahrheit geht es nur um die Frage, ob die Politik einer Erweiterung des Skigebietes mittels einer Bahn zum linken Fernerkogel zustimmt oder nicht.
Seit zwei Jahren sind die Pitztaler jetzt schon Spielball der Tiroler Politik. Zunächst waren sie mit ihrem Plan nach einer alternativen Abfahrt zur Gletscher-Stollenbahn am ÖVP-Streit zwischen Weingartner und Eberle gescheitert. Dann folgten Gesetzesnovelle, Einspruch vom Landesumweltanwalt und schließlich ein Ja vom Umweltsenat in Wien. Als jeder mit einem endgültigen Ja der Umweltschutzabteilung des Landes rechnete, kündigte deren ranghöchster Beamter Gerhard Liebl ein Nein an. Dieser Empfehlung wollte Liebls Chef, Umweltlandesrat und SPÖ-Obmann Hannes Gschwentner, am Dienstag brav folgen. Ein Nein zur Pitztaler Talabfahrt war vorprogrammiert. Einmal mehr wurde deutlich, dass Gschwentner wie schon davor Gangl die Umweltabteilung nicht im Griff hat (siehe auch Müll). Liebl führt dort längst das Kommando im Stile eines Landesrats. Eine Folge davon, wenn Politiker nicht mehr gewillt sind, selbst zu entscheiden.
Die Pitztaler sehen sich als Opfer eines internen SPÖ-Machtkampfs und hoffen auf eine Absolute der ÖVP, um dann Talabfahrt und die Bahn zum Fernerkogel zu bekommen. Bei der SPÖ muss Gschwentner Flagge zeigen. Dass dort an seinem Stuhl gesägt wird, ist kein Geheimnis mehr. Dieses lächerliche Hin und Her ist für den Bürger nicht mehr nachvollziehbar. Es geht um die neue Bahn. Diese ist wirtschaftlich notwendig. Nur wer attraktive Skigebiete anbietet, kann auch einen ordentlichen Preis erzielen. Ischgl und Sölden sind der Beweis. Bleibt abzuwarten, ob wirtschaftliche Argumente in diesem Land noch zählen.

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