Selbsbehalt - das unbekannte Wesen 2

Selbstbehalt um 100 Millionen Euro höher als bisher angenommen

Wien (OTS) - Wenn ein verschriebenes Medikament billiger ist als
die Rezeptgebühr von dzt. EUR 4,25, ist es für die Patienten günstiger, nicht die Rezeptgebühr sondern das Medikament selbst zu bezahlen. Das tun Patienten auch und geben so jährlich EUR 100 Millionen aus. Das Rezept landet statt bei den Krankenkassen im -Papierkorb. Diese EUR 100 Millionen sind daher ein stiller Selbstbehalt, von dem die Krankenkassen gar nicht wissen können, dass es ihn gibt.

"Die von den Kassen veröffentlichte Zahl von EUR 307 Millionen ("Einnahmen aus der Rezeptgebühr") ist daher aus Patientensicht um diese 100 Millionen zu niedrig", rechnete Erhard P. Geisler, Geschäftsführer der Pharmig, heute vor.

Nach einer kritischen Analyse der Pharmig (Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen) ist damit der ohnedies schon hohe offiziell ausgewiesene Selbstbehalt bei Medikamenten (EUR 307 Millionen oder 21,8 %) keineswegs alles, was der Patient als Selbstbehalt zu tragen habe. Der stille aber 100%-ige Selbstbehalt bei einem Packungspreis unter EUR 4,25 macht EUR 98 Millionen (oder 6,7 % des Netto-Heilmittelaufwandes) aus.

Fazit: Offizieller Selbstbehalt und statistisch nicht erfasster stiller Selbstbehalt ergeben zusammen bereits eine Summe von EUR 405 Millionen. Eine Zahl, die einem echten Selbstbehalt bei Medikamenten von 28,5 % gleichkommt.

Geisler: "Wer in Österreich von 20 % Selbstbehalt spricht, spricht nicht über Medikamente!"

Die Pharmig sei durchaus für Selbstbehalte, sie sei jedoch davon überzeugt, dass das bisher ausschließlich zur Finanzierung der Krankenkassen verwendete Selbstbehalts-System patientengerechter gemacht werden müsse, um positive Steuerungseffekte zu bieten. Bei einer Höhe von 28,5% Selbstbehalt sei aber dafür genügend gestalterischer Spielraum gegeben, ohne die Patienten weiter belasten zu müssen, erklärt die Pharmig.

Unbekannt sei selbst bei den meisten Fachleuten, dass die zur Anbehandlung (Probe-Therapie) von Krankheiten notwendigen Kleinpackungen von Medikamenten zu mehr als einem Drittel, nämlich 38 %, preislich unter der Rezeptgebühr liegen. Geisler: "Die von allen Seiten so gerne geforderte Kleinpackung trägt in 1 von 3 Fällen der Patient. Und zwar zur Gänze.

Ich schließe nicht aus, dass man auch bei anderen Therapieformen stille Selbstbehalte findet. Allerdings fehlen bei andern Therapien die Transparenz und die verlässlichen Zahlen, die es bei Arzneimitteln gibt."

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