Wien: Bildungsoffensive für Pflegejobs

3,5 Mio. für verbesserte Ausbildung

Wien (OTS) - "Aktuelle Prognosen gehen allein für das Jahr 2003
von 1.270 zusätzlichen Jobs im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Das WIFO spricht in einer aktuellen Studie sogar davon, dass die Nachfrage nach Beschäftigten in diesem Bereich bis zum Jahr 2007 um 7000 steigen wird", erklärte Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des Mediengespräches des Bürgermeisters, an dem auch Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann teil nahm. Weiters nahmen am Mediengespräch der Geschäftsführer des WAFF, Mag. Fritz Meißl, sowie der Geschäftsführer des Dachverbandes Wiener Pflege- und Sozialdienste, Eduard Spörk, teil.

Rieder: "Damit entwickelt sich der Gesundheits- und Pflegebereich zu einer wahren Wachstumsbranche, sowohl wertschöpfungsmäßig als auch jobmäßig. Wir werden diese Entwicklung mit einer zusätzlichen Qualifizierungsoffensive für Menschen in Pflegeberufen weiter unterstützen. Dafür stellt die Stadt Wien im Wege des WAFF im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit dem AMS rund 3,5 Mio. Euro zur Verfügung. Damit können 300 MitarbeiterInnen des "Dachverbandes Wiener Pflege- und Sozialdienste" eine Ausbildung zum/zur PflegehelferIn bzw. zum/zur diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerIn absolvieren." Im Dachverband Wiener Pflege- und Sozialdienste seien, so Rieder, 24 ambulante und 15 stationäre private Organisationen zusammengeschlossen, die insgesamt rund 10.000 MitarbeiterInnen beschäftigen.

Darüber hinaus werden im Rahmen einer so genannten "Implacement-Stiftung" des WAFF 60 arbeitslosen Personen die Möglichkeit geboten, sich zur HeimhelferIn sowie zu PflegehelferIn ausbilden zu lassen. Potenzielle Arbeitgeber können im Rahmen der Stiftung ihr künftiges Personal gezielt aussuchen und sparen sich während der Ausbildungszeit die Gehaltskosten, da die TeilnehmerInnen vom AMS ein Schulungsarbeitslosengeld und vom WAFF eine Förderung der Schulungskosten in Höhe von max. 2.500 Euro erhalten.****

Pittermann: Hohe Qualität der Pflege bleibt gewährleistet

"Diese Förderung seitens der Stadt Wien ist ein weiterer Schritt hin zu noch höherer Qualität in der Versorgung und Betreuung älterer Menschen", begrüßt Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann die Unterstützung der Aus- und Weiterbildung der insgesamt 300 Pflegekräfte. Die Stadt Wien investiert bis 2005 insgesamt 3,5 Millionen Euro und ermöglicht so 160 HeimhelferInnen, sich zum/zur PflegehelferIn weiterzubilden und 140 PflegehelferInnen, sich zum/zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegefachkraft aufschulen zu lassen. "Eine gute Ausbildung erhöht die Qualität der Betreuung - der Wiener Krankenanstaltenverbund geht diesen Weg bereits seit längerer Zeit auch bei den eigenen Bediensteten sehr konsequent", so Pittermann.

Wiener Krankenanstaltenverbund bildet aus

"Der Wiener Krankenanstaltenverbund unterstützt diese Ausbildungsoffensive und erhöht seine Schulungskapazitäten", betonte Pittermann. So wird es zwecks Aufschulung zum/zur PflegehelferIn (Kurzdauer: 1 Jahr) ab 22. April 03 einen Zusatzkurs im Geriatriezentrum Klosterneuburg und ab 2. Juni 03 einen Zusatzkurs im Wilhelminenspital geben. Die Ausbildung zur diplomierten Kraft (Kursdauer: 2-3 Jahre) wird um einen Zusatzkurs ab September 03 im Kaiserin Elisabeth Spital sowie um einen Zusatzkurs ab September 04 im Kaiser Franz Josef Spital erweitert.

Derzeit sichern circa 12.600 Fachkräfte die pflegerische Betreuung im Wiener Krankenanstaltenverbund.

Die Beschäftigungsentwicklung im Sozial und Gesundheitsbereich

Schon im Jahr 2001 weisen die Arbeitsmarktdaten den Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe als Gewinner aus. Eine österreichweite Auswertung des AMS zeigt, dass im Bereich "Gesundheits-, Veterinär-und Sozialwesen" mit einem Plus von 5,5 % bei den Arbeitsplätzen hinter dem Bereich Realitätenwesen (+6,5 %) der zweitgrößte Zuwachs an Beschäftigung erzielt werden konnte.

Aktuelle Beschäftigungszahlen der Statistik Austria für den Bereich "Gesundheits-, Lehr- und Kulturberufe" zeigen, vor allem in Wien, ebenfalls Beschäftigungszuwächse:

o Tabelle 1: Entwicklung der Beschäftigungszahlen nach der Berufsabteilung "Gesundheits-, Lehr- und Kulturberufe"
(Quelle: Statistik Austria)

Wien Österreich 2. Quartal 2002 133.451 503.711 1. Quartal 2002 128.589 506.724 4. Quartal 2001 119.669 493.374 3. Quartal 2001 119.125 481.009 2. Quartal 2001 114.486 480.032 1. Quartal 2001 115.812 484.941

Prognosen für den Bereich Gesundheits- und Sozialwesen

Die im Auftrag des WAFF von der Synthesis Forschungsgesellschaft erstellte Prognose für den Wiener Arbeitsmarkt weist für die Wirtschaftsabteilung "Gesundheits- und Sozialwesen" ein Plus von 1.270 neuen Arbeitsplätzen für 2003 aus.

Was die Arbeitslosigkeit in der Berufsgruppe Lehr-, Kultur- und Gesundheitsberufe betrifft, wird umgekehrt für 2003 nur ein Zuwachs von weniger als 100 zusätzlichen Arbeitslosen erwartet.

Tabelle 3 zeigt einen Überblick über die Einschätzung des Arbeitskräftebedarfs in Wiener Gesundheitseinrichtungen. Diese nicht repräsentativen Werte beruhen auf der Befragung von 28 Personalverantwortlichen aus dem Gesundheitsbereich.

o Tabelle 2: Einschätzung des Personalbedarfs in Wiener Gesundheitseinrichtungen (Quelle: Prospect)

Berufsbild sofort oder noch 2003 gesucht Gesamt bis 2002 gesucht Ende 2003 HeimhelferIn 105-107 89-95 194-202 PflegehelferIn 82-85 4-5 86-90 PflegehelferIn oder Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerIn 57-60 86-87 143-147 Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerIn 127-136 32-37 159-173 Sonstige Berufsgruppen 20-26 3 23-29 Gesamt 391-414 214-227 605-641

Die Studie kommt für den Gesundheitsbereich zu folgenden, kurz zusammengefassten Schlussfolgerungen:

o Es gibt relevante Personalengpässe im Pflegebereich. Besonders betroffen ist der Bereich der Altenpflege - sowohl stationär wie auch ambulant;
o Im Pflegebereich - insbesondere im Altenpflegebereich – sind eher "ältere" MitarbeiterInnen gefragt, frisch Ausgebildete, die noch sehr jung sind, tendieren sehr stark zur Akutmedizin;
o Am ausgeprägtesten sind die Engpässe bei Diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen;
o PflegehelferInnen sind stärker nachgefragt als
arbeitssuchend.
o Am wenigsten ausgeprägt sind die Personalengpässe bei Heimhilfen.

Qualifizierungsprogramm Gesundheits- und Pflegeberufe

Das Wiener Qualifizierungsprogramm für neue Beschäftigungschancen in Gesundheits- und Pflegeberufen baut auf zwei Säulen auf: Qualifizierungsmaßnahmen für Beschäftige und maßgeschneiderte Ausbildungen für arbeitslose Menschen.

Insgesamt sollen mit dem Programm bis zu 300 Personen in Qualifizierungsmaßnahmen eingebunden werden.

Qualifizierung von bis zu 300 Beschäftigten

Mit einem Betrag von voraussichtlich mehr als 3,5 Mio. Euro beteiligt sich der WAFF im Auftrag der Gemeinde Wien an einem Programm zur Höherqualifizierung von MitarbeiterInnen in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Grundlage des Programms ist die Förderrichtlinie des AMS "Qualifizierungsförderung für Beschäftigte im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Ziel 3 Schwerpunkt 4 (QfB)".

Konkret ist derzeit die Qualifizierung von rund 160 Personen zu PflegehelferInnen und rund 140 PflegehelferInnen zu diplomiertem Pflegepersonal geplant.

Förderungen können vom AMS an Einrichtungen gewährt werden, die Frauen (unabhängig vom Alter) oder Männer ab dem 45. Lebensjahr in folgenden Bereichen ausbilden:

o Ausbildung zum Pflegehelfer/zur Pflegehelferin (gemäß § 92 Gesundheits- und Krankenpflegegesetz): Der Aufgabenbereich
umfasst die Pflege und Betreuung von akut und langzeit-chronisch kranken Menschen. Die PflegehelferInnen unterstützen und ergänzen die Arbeit von diplomierten Krankenpflegepersonen im stationären und ambulanten Bereich. Die Ausbildung umfasst in ihrem theoretischen Teil unter anderem Grundzüge der Bereiche Hygiene, Infektions-, Krankheits- und Ernährungslehre, Krankenbetreuung und Gerontologie.
o Ausbildung vom Pflegehelfer/von der Pflegehelferin zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger/zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin (gem. § 44 Gesundheits- und Krankenpflegegesetz)

Die Finanzierung des Qualifizierungsprogramms erfolgt durch das AMS, den WAFF und Eigenleistungen der Träger. Insgesamt ist mit Kosten von mehr als 10 Mio. Euro zu rechnen. Das AMS fördert 2/3 der Kurskosten und 60% der Personalkosten. Der Finanzierungsbeitrag des WAFF erfolgt in Ergänzungen zu den Förderungen des AMS.

Maßgeschneiderte Ausbildung für arbeitslose Menschen

Die zweite Säule des Qualifizierungsprogramms ist eine spezielle Implacementstiftung für Gesundheits- und Pflegeberufe. Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Abdeckung des Personalbedarfs durch arbeitsplatznahe Qualifizierungen in der Einrichtung ihres zukünftigen Arbeitgebers und bei externen Schulungseinrichtungen.

Der WAFF führt derzeit mit dem AMS Gespräche über die Möglichkeit, vorerst rund 60 arbeitslosen Personen die Ausbildung zum/zur HeimhelferIn (40 Personen) sowie zum/zur PflegehelferIn (20 Personen) zu ermöglichen. Die Ausbildungsdauer zum/zur HeimhelferIn beträgt rund 12 Wochen, die Ausbildung zum/zur PflegehelferIn rund 12 Monate. Beide Ausbildungen gliedern sich in einen theoretischen und in einen praktischen Teil und enden mit einer kommissionellen Abschlussprüfung, die die AbsolventInnen zur Ausübung des Heimhilfeberufes (gemäß dem Wiener Heimhilfegesetz) bzw. zum/zur PflegehelferIn (gemäß Bundesgesetz über Gesundheits- und Krankenpflegeberufe) berechtigt.

Der wesentliche Nutzen für die Trägereinrichtungen liegt in
o der gezielten Personalsuche und Vorauswahl,
o dem Entfall der Gehaltskosten für die Zeit der Ausbildung und
o der arbeitsplatznahen Qualifizierung der zukünftigen MitarbeiterInnen.

Die Stiftungsmaßnahmen werden durch Beiträge der beteiligten Unternehmen (Ausbildungskosten, monatliche Stipendien für BezieherInnen von Arbeitslosengeld) und durch Beiträge des WAFF (Förderung von Schulungskosten) finanziert. Der WAFF refundiert 50 Prozent der Kosten der Qualifizierung sowie des unternehmensinternen Theorieteils, maximal Euro 2.500,-- pro Teilnehmer. Vom AMS erhalten die StiftungsteilnehmerInnen entweder Schulungsarbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Deckung des Lebensunterhalts (DLU) für die Dauer der Qualifizierung.
Durch die gesetzliche Regelung der Ausbildungsinhalte und die gesetzliche Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse ist die überbetriebliche Verwertbarkeit der Qualifizierungspläne gewährleistet. (Schluss) nk

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Norbert Kettner
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