IKG protestiert gegen SLÖ-Obmann Gerhard Zeihsels Wortwahl

Wien (OTS) - Wenn Thomas Jelinek, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Prag, den Sudentendeutschen pauschal ihre Mittäterschaft an Naziverbrechen vorwirft, so ist das als Pauschalverurteilung falsch. Keinesfalls ist dies jedoch eine „Verhetzung“, viel eher eine unrichtige Formulierung. Richtig ist, dass zahlreiche Sudetendeutsche begeistert in der Nazi Mordmaschinerie mitgetan haben und Schuld auf sich geladen haben. Dies rechtfertigt keinesfalls die Verurteilung aller Sudentendeutschen.

Zeihsels falsches Geschichtsverständnis spiegelt sich auch in dem Satz wieder „die jüdische Bevölkerung in Europa sei kollektiv und ohne persönlichen Schuldnachweis“ verurteilt worden. Soll das heißen, dass einzelne Juden Schuld auf sich genommen haben (wie dies viele Sudetendeutsche in der Tschechoslowakei und anderswo getan haben), oder soll das heißen, dass die Juden vielleicht selbst schuld waren an der Schoah?

Der ständige Vergleich der Shoah mit den Verbrechen an den Sudetendeutschen nach 1945 ist unerträglich, insbesondere dann, wenn die Sudetendeutschen-Vertreter zwar richtigerweise die Aufhebung der Benes-Dekrete verlangen, es gleichzeitig aber nicht der Mühe wert finden, darauf hinzuweisen, in wie weit Sudetendeutsche und andere volksdeutsche Gruppen (individuell) in den von Hitler besetzten Ländern an Kriegsverbrechen beteiligt waren. Es wäre sicher leichter, Tschechen und Slowenen zur Aufarbeitung ihrer jüngsten Geschichte zu bringen, wenn man den Zusammenhang der Mittäterschaft einzelner Sudetendeutscher und Volksdeutscher mit den nachfolgenden Verfolgungen erforschen würde. Der ständige Vergleich mit der Ausrottung des europäischen Judentums ist daher inakzeptabel.

Dr. Ariel Muzicant

Präsident

Israelitische Kultusgemeinde

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