"Neues Volksblatt" Kommentar: "Irrweg" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 1. Februar 2003

Linz (OTS) - Für Menschen, die aktiv im Berufsleben stehen, nimmt bekanntlich die Arbeit täglich ein Drittel ihres Lebens in Anspruch. Es ist ein wichtiges Drittel, weil es das Leben mit Sinn erfüllt und in der Regel Erfolgserlebnisse beschert. Zu Recht werden hohe Arbeitslosenzahlen beklagt, weil sie bedeuten, dass Menschen diese Erfüllung verwehrt bleibt. Arbeit ist also ein hohes Gut. Paradoxerweise dreht sich diese Erkenntnis sofort ins Gegenteil, wenn eine mögliche Pensionierung winkt. Ab diesem Augenblick ist Arbeit etwas Bedrohliches, vor dem man den älter werdenden Menschen möglichst schnell retten muss. Das gesetzliche Pensionsalter wird zum Schreckgespenst, mit dem Politiker in den Wahlkampf ziehen. Diese Werte-Umkehr des Begriffes Arbeit zeigt, wie unsachlich das Thema Frühpensionen gespielt wird. Keine Frage, dass kranke und arbeitsunfähige Menschen jederzeit in Pension gehen können müssen. Keine Frage, dass auch der Arbeitsmarkt für ältere Dienstnehmer neue Ideen und Impulse erfordert. Aber der Wert der Arbeit kann und darf sich nicht ins Gegenteil kehren, nur weil dies brauchbare Parolen für Wahlkämpfe hergibt. Der Versuch, den Menschen frühzeitig zum Pensionisten zu erziehen, ist nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch sozial ein Irrweg.

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