Industrie fordert rasche Lösungen für Aging Society!

Soziale Sicherheit nur durch wettbewerbsfähigen Industrie- und Wirtschaftsstandort gegeben

Wien (PWK065) - "Wenn wir unsere Industriestandorte nachhaltig stärken wollen, brauchen wir rasch Lösungsansätze für das Problem der Aging Society. Das erfordert neben langfristigen Steuerungsmaßnahmen auch kurzfristige, kluge Kurskorrekturen", betonte heute, Freitag, Werner Tessmar-Pfohl, Obmann der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich im Rahmen des Journalistenseminars der Bundessparte zum Thema "Aging Society - Konsequenzen für den Industriestandort Österreich". Schließlich habe man es im Zusammenhang mit der Problematik der alternden Bevölkerung und ihren Konsequenzen nicht mit einem unvorhersehbaren Ereignis zu tun. Anstatt unzulänglicher Reaktionen, müsse die Politik nun daran gehen, einen "großen Wurf" zu landen.

Tessmar-Pfohl wies darauf hin, dass das Problem der Aging Society nicht losgelöst von der Diskussion rund um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Österreich gesehen werden kann. Schließlich würden der Industrie daraus eine Reihe von Anforderungen und Kosten erwachsen, insbesondere im Bereich der betrieblichen Weiterbildung und Gesundheitsförderung. Die Forderung der Industrie nach einer Senkung der Arbeitskosten um den Beschäftigtenstand halten zu können, bleibe natürlich weiter aufrecht. Die Reduktion der Lohnnebenkosten um mindestens einem Prozent pro Jahr müsste kommen. Insbesondere bei der Einstellung älterer Arbeitnehmer ab 50 Jahre müsse es gezielte Entlastungsmaßnahmen geben. Darüber hinaus müssten Mittel der Arbeitslosenversicherung ausschließlich für arbeitsmarktfördernde Aktivitäten ausgegeben werden. Industrie dränge auch auf die Einführung eines Pensionskontos, die Angleichung des Pensionsalters von Männern und Frauen.

Alexander Hoffmann, stellvetretender Abteilungsleiter der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik in der WKÖ und Thomas Fent vom Demographischen Institut der Akademie der Wissenschaften sehen in folgenden Bereichen Handlungsbedarf: Verkürzung der langen Ausbildungszeiten um die Altersgruppe der 20- bis 25jährigen verstärkt ins Erwerbsleben zu holen, Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Gegenmaßnahmen zum Run auf die Frühpensionen. Darüber hinaus müsse man über eine aktive Migrationspolitik nachdenken, um die Beschäftigungslücke zu füllen.

Damit ab sich 2004 eine Trendwende am Arbeitsmarkt abzeichnen kann, fordert der Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ und Präsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Martin Gleitsmann, eine weiter Forcierung und Förderung der beruflichen Weiterbildung (Bildungsfreibetrag), eine Reform der Zumutbarkeitsbestimmungen zur Steigerung der Mobilität und eine Adaptierung des Altersteilzeitmodells (Missbrauchsvermeidung). Zur nachhaltigen Sicherung der Altersvorsorge seien aus Sicht Gleitsmann unfassende Reformen des Systems nötig. Ohne Pensionsreform würde der Pensionsaufwand (ohne Beamtenpensionen) von 21, 6 Mrd Euro (10,5 Prozent der BIP) im Jahr 2000 auf 75,5 Mrd Euro (15,6 Prozent des BIP) steigen. Das setze bereits eine Steigerung der Erwerbsquote von derzeit 67 Prozent auf 72,3 Prozent voraus.

"Die vermutlich noch größere Herausforderung ist die Sicherung der Gesundheitsversorgung auf einem hohen Niveau", so Gleitsmann, der folgende Eckpunkte eines entsprechenden Maßnahmenbündel skizzierte:
Weg von den "Kranken Kassen" hin zum Gesundheitsservice; mehr Qualität durch echten Wettbewerb der Leistungsanbieter; Eigenverantwortung und Selbstbestimmung statt Bevormundung; Neue Modelle der Kooperation und Koordination im Gesundheitswesen. Strukturänderungen hätten jedenfalls Vorrang vor Beitragserhöhungen.

Im Hinblick auf die Kosten der Gesundheit, merkte Christian Köck, Gesundheitsökonom der Universität Witten/Herdecke an, dass auf Grund einer genauen Analyse die Steigerung der Kosten primär auf die technologische Entwicklung der Medizin zurückzuführen sei. "Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass der Gesundheitsbereich zu den ineffizientesten Sektoren der Volkswirtschaft zählt. Massive Qualitätsdefizite, Schnittstellenverluste, überflüssige Leistungen und anderes stellen große Rationalisierungspotentiale dar", so Köck. Beispielsweise seien etwa 15 Prozent aller Krankenhausaufnahmen und 36 Prozent aller Krankenhaustage unangemessen. Vergleich man den öffentlichen mit dem privaten Sektorin Deutschland, wo etwa 12 Prozent der öffentlichen Krankenhäuser privat geführt werden, so zeigten sich deutliche Unterschiede: Öffentliche Krankenhäuser weisen in diesem Vergleich einen Personalaufwand von 65 Prozent der Kosten auf, währenddessen dieser Anteil in privat geführten Krankenhäuser lediglich 36 Prozent betrage. Die Umsatzrendite liege öffentlichen Bereich bei etwa zwei bis drei Prozent und bei den privaten bei 13 Prozent. (us)

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