Unverständnis für Grüne Aussagen zur Anonymen Geburt

Wiener Frauengesundheitsbeauftragte warnt vor neuerlicher Bevormundung von Frauen

Wien (OTS) - Mit Unverständnis reagierte heute die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Prof. Beate Wimmer - Puchinger auf Aussagen der Grünen zur Anonymen Geburt. Die Grünen hätten im Gemeinderat der Einführung der Anonymen Geburt zugestimmt, jetzt beklagen sie offensichtlich diesen Schritt, meint Wimmer-Puchinger. Die Sorge der Grünen, ob denn nun Frauen in Krisensituationen wegen einer ungewollten Schwangerschaft von begleitenden Aufklärungsmaßnahmen auch wirklich erreicht werden, kann entkräftet werden. Im Auftrag der Stadt Wien wird gerade eine großangelegte Studie durchgeführt, die die Motive erheben wird, auf Grund derer sich Frauen zur Anonymen Geburt entschließen.

Nachdem nunmehr in ganz Österreich Hilfsangebote für Frauen mit ungewollter Schwangerschaft ausgeweitet und die Möglichkeit der Anonymität garantiert wurden, stellen diese Einrichtungen die Grünen plötzlich in Frage, gibt Wiens Frauengesundheitsbeauftragte Prof. Beate Wimmer-Puchinger zu bedenken. Auf keinen Fall dürfe Frauen in Zukunft neuerlich die Bevormundung - eine Situation, wie sie der jahrhundertelangen, bekannten gesellschaftlichen Tradition entsprach - drohen, so die Warnung von Wimmer-Puchinger.****

Gerade der Fall des ersten Gebrauchs der Babyklappe in Linz zeigt, dass der Wegfall unmittelbaren Stresses Frauen die Möglichkeit gibt, noch einmal ihre besondere Situation zu überdenken.

Es ist allgemeiner Konsens, dass die Anonyme Geburt und die Babyklappe für Frauen in Ausnahmesituationen eingerichtet wurden. Beide Einrichtungen stehen am Ende einer langen Kette von Hilfs- und Betreuungsangeboten für Frauen, die für sich und ihr Kind offenbar keine andere Möglichkeit mehr sehen. Die Entscheidung darüber muss den Frauen offen bleiben - ohne Zwang und ohne Bevormundung, sind sich Wimmer-Puchinger, Dr. Christian Fiala, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Claudia Klier, Fachärztin für Psychiatrie am AKH, und Dr. Maria Stammler-Safar, Gynäkologien mit Psy. Diplom, einig.

"Der zugrundeliegende Konflikt geht ja um die Frage, ob Frauen mit einer ungewollten bzw. unmöglichen Schwangerschaft akzeptiert werden oder erst Bedingungen erfüllen müssen, bevor die Gesellschaft ihnen hilft. Nun gibt es eine lange historische Tradition, Frauen in einer derartigen Situation zu bevormunden und nur bedingt an der Lösung ihrer Probleme mitwirken zu lassen. Glücklicherweise ist im Lauf der Zeit ein breiter Konsens entstanden, dass dieser Zugang weder zielführend noch hilfreich ist. Das Angebot der anonymen Geburt ist deshalb so wichtig, weil es einigen Frauen erst ermöglicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen", bekräftigen Dr. Fiala und Dr. Klier. "Offensichtlich gehe es um Macht: Macht über Frauen, deren Körper, deren Möglichkeiten, Kinder schon oder nicht auf die Welt zu bringen. Es geht zwar nicht mehr darum, wie diese Kinder dann aufwachsen, da engagieren sich Männer schon wieder viel weniger", warnt Dr. Maria Stammler-Safar eindringlich vor restriktiven Maßnahmen. (Schluss) uls

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