Selbstbehalt - das unbekannte Wesen 1

Zur wieder aufgeflammten Diskussion um Selbstbehalte im Gesundheitswesen

Wien (OTS) - Selbstbehalt - das unbekannte Wesen 1

Zur wieder aufgeflammten Diskussion um Selbstbehalte im Gesundheitswesen stellte heute der Geschäftsführer der Pharmig, Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, Erhard P. Geisler , fest:

"Die ganze Debatte um Selbstbehalte leidet darunter, dass es kaum verfügbare Daten gibt. Und dort, wo es Daten und Zahlen gibt, sind sie meist wenig vertrauenswürdig."

Die positive Ausnahme von dieser schlechten Regel seien die Medikamente. Bei Selbstbehalten für Medikamente lägen nämlich verlässliche Zahlen vor. Leider seien diese Zahlen aber zu wenig beachtet worden.

Allgemein bekannt sei, dass die Rezeptgebühr für Medikamente im Jahr 2001 den Krankenkassen bei EUR 1,72 Milliarden (= ATS 23,6 Mrd.) Heilmittelausgaben insgesamt EUR 307 Millionen (= ATS 4,22 Milliarden) gebracht hätte. Jeder, der die Rezeptgebühr zu zahlen hatte, beteiligte sich also mit durchschnittlich 21,8% an seiner Therapie.Weniger bekannt sei allerdings schon, dass von den 4.272 im Heilmittelverzeichnis der Krankenkassen gelisteten ("kassenfreien") Packungen von Arzneimitteln erstaunliche 1.169 Packungen oder 27 % unter der Rezeptgebühr liegen. Geisler: "Wer weiß denn schon, dass die Kosten für jede vierte Medikamentenpackung zur Gänze vom Patienten getragen wird?!"

Vollends unbekannt sei aber, dass es ganze Indikationsgruppen gebe, in denen jedes Präparat unter der Rezeptgebühr liegt. Bei Sedativa (Beruhigungsmittel) und Infusionspräparaten sei kein einziges Präparat angeführt, das mehr als EUR 4,15 (dzt. Höhe der Rezeptgebühr) koste. Bei Hustenmittel, Vitaminen und Hypnotika (Beruhigungsmittel) sei es ganz ähnlich, stellte die Pharmig fest. Bei Ophtalmologika (Augenmittel), HNO-Präparaten und Hämatologika (gegen Eisenmangel im Blut) seien bis zu 70 % der Medikamente billiger als die Rezeptgebühr, bei Leber-, und Gallenpräparaten und bei Schilddrüsenpräparaten seien es ca. die Hälfte, so die Pharmig in einer Analyse des derzeit gültigen Heilmittelverzeichnisses.

O-Ton Geisler: "Ich bin gar nicht so sicher, dass das den Leuten, die zur Zeit über unser Gesundheitssystem mit Killer-Phrasen wie "Kostenexplosion" reden, klar ist, was das für den von ihnen angeblich vertretenen Patienten wirklich bedeutet."

Die Pharmig habe diese Woche mit neun Forderungen an die zu bildende Bundesregierung einen Weg gezeigt, wie ein transparentes, patientenorientiertes und finanzierbares Gesundheitssystem aussehen könnte, wurde von Geisler ergänzt.

Die Pharmig sei zur Mitarbeit bei der Entwicklung eines vernünftigen, versorgungssicheren, finanzierbaren Gesundheitssystem bereit, das dem Patienten den raschen und unbürokratischen Zugang zu allen Forschungsergebnissen und die Teilnahme an modernen Therapien garantieren muss, bereit.

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