AMS Wien: PK Strategien gegen die Arbeitslosigkeit

Das Arbeitsprogramm des AMS Wien 2003

Wien (OTS) - Pressefrühstück am 31.01.2003, um 10 Uhr im Cafe-Restaurant Max

Am Podium:
Dr. Inge Friehs, stv. Landesgeschäftsführerin des AMS Wien
Gerhard Grundtner, Leiter der Grundlagenabteilung des AMS Wien

Der Wiener Arbeitsmarkt unterliegt besonderen Bedingungen. Besonders Jugendliche und niedrig Qualifizierte sind von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen, das Stellenangebot sinkt. Seit dem Jahr 2000 stieg auch die Arbeitslosigkeit bei Personen im Frühpensionsalter stark an. Eine Entspannung der Lage am Wiener Arbeitsmarkt ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2003 in Sicht.
Durch effizienten Mitteleinsatz will das AMS Wien der Arbeitsmarktentwicklung gegensteuern. Über 190 Millionen Euro stehen heuer für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung. Gleichzeitig geht das AMS Wien in der Beratung und Vermittlung völlig neue Wege, um temporäre Spitzen im Kundenandrang abzufangen.

Bedingungen am Wiener Arbeitsmarkt Der Problemdruck am Wiener Arbeitsmarkt wird unter anderem durch die hohe und in den letzten Jahren steigende Zahl an Einpendlern geprägt (ca. 210.000). Die Bundeshauptstadt Wien ist aber auch als Standort vieler Einrichtungen des öffentlichen Dienstes von der Personalreduktion in diesem Sektor besonders betroffen. Die Zunahme an atypischen Beschäftigungsverhältnissen, insbesondere geringfügiger Beschäftigung im Handel und im Bereich der Personalbereitstellung sorgt ebenfalls für Verdrängungsmechanismen am Arbeitsmarkt. Typisch für Ballungszentren ist das im Bundesvergleich deutlich höhere Niveau der Langzeitarbeitslosigkeit.

Entwicklung 2002 Der anhaltende Konjunktureinbruch zeigte sich in Wien letztes Jahr markant an den Beschäftigungs- und Arbeitslosenzahlen. "Die Beschäftigungszahl ist in Wien im Vergleich zu 2001 um 1,3 Prozent auf ca. 758.000 Personen gefallen, während die Zahl der Arbeitslosen um 18% auf fast 75.000 im Jahresschnitt anstieg", gab Gerhard Grundtner von der Grundlagenabteilung des AMS Wien beim Pressefrühstück am Freitag bekannt. "Besonders vom Anstieg betroffen waren Jugendliche unter 25, Langzeitarbeitslose und Personen mit niedriger Qualifikation." Die meisten Arbeitslosen gab es in den Büroberufen, im Handel, bei Metall-Elektroberufen und am Bau, den höchsten prozentuellen Anstieg gegenüber 2001 hatten allerdings die technischen Berufe - unter anderem in der IT-Branche - zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote betrug im letzten Jahr durchschnittlich 9 Prozent, ein Anstieg von 1,4 Prozentpunkten.

Prognose für 2003. "Trotz der leichten konjunkturellen Erholung im Jahr 2003 werden am Wiener Arbeitsmarkt die Folgen des schweren Einbruchs der Jahre 2001/2002 weiter nachwirken", so die Prognose von Gerhard Grundtner. Die Zahl jener Betriebe, die Personal abbauen, wird weiterhin zunehmen, mögliche Personalaufstockungen in Betrieben mit "neuen Branchenfeldern" können dies nicht ausgleichen. Es wird im laufenden Jahr zu einem gegenüber 2002 verlangsamten Beschäftigungsrückgang kommen. Von diesem Rückgang werden nahezu ausschließlich Männer betroffen sein. Gleichzeitig wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit weiterhin anhalten, aber flacher ausfallen als im vergangenen Jahr. Nach wie vor ist damit zu rechnen, dass junge Menschen bis 25 Jahre und Ältere ab 45 Jahren etwas stärker vom Anstieg betroffen sein werden.

Vermittlungserfolge trotz Wirtschaftsflaute Im Februar letzten Jahres hat das AMS Wien seine Geschäftsstellen regional und nach dem One-Stop-Shop-Prinzip umorganisiert, mit dem Ziel, die Arbeitsuchenden effizienter zu betreuen und rascher zu vermitteln. "Trotz der schwierigen Arbeitsmarktsituation konnte das AMS Wien 68.237 Arbeitslose wieder in Beschäftigung bringen, das sind immerhin um 2.300 mehr als im Jahr 2001," betonte Inge Friehs, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Wien. "Ich sehe darin eine erste messbare positive Auswirkung der letzten Februar erfolgten Umorganisation." Ebenfalls erfreulich: Der Anteil der offenen Stellen, die binnen eines Monats besetzt werden konnten, ist von 54 auf 60% gestiegen.

Ziele und Strategien im Jahr 2003 Um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu begegnen, arbeitet das AMS Wien nach bundesweit festgelegten, regional quantifizierten Zielvereinbarungen. "Die beiden zentralen Herausforderungen dabei sind die Verkürzung der individuellen Dauer der Arbeitslosigkeit und die Aus- und Weiterbildung der Vorgemerkten", so Inge Friehs. "In diesem Jahr stehen Jugendliche, Frauen, Ältere und Langzeitbeschäftigungslose im Fokus unserer Fördermaßnahmen.".

Stichwort Qualifizierung Das AMS Wien setzt auf höherwertige Ausbildungen für Jugendliche und Frauen. Ein Ziel ist zum Beispiel, dass dieses Jahr mindestens 2.700 Frauen nach einer Aus- und Weiterbildung innerhalb von 3 Monaten einen Arbeitsplatz finden. "Damit werden wir beweisen, dass die Schulungen des AMS nicht nur der Höherqualifizierung dienen, sondern arbeitslosen Frauen auch neue und konkrete Jobs erschließen", so Inge Friehs. Knapp 8.000 junge Menschen bis 25 Jahre werden die Weiterbildungsmöglichkeiten des AMS Wien im heurigen Jahr nutzen, so eine weitere Zielvorgabe. "Das reicht vom Nachholen des Hauptschulabschlusses über Facharbeiterausbildungen bis zu höherwertigen Qualifizierungen im IT-Bereich, je nach Vorbildung und Bedarf der jungen Leute", so Inge Friehs. Die Umsetzung des Regierungsprogramms gegen Jugendarbeitslosigkeit, das im Herbst beschlossen wurde, bis Mitte 2003 ist Bestandteil dieser Aktivitäten.

So schnell wie möglich wieder im Job "Seit dem Jahr 1999 konnte die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit in Wien trotz Konjunktureinbruch um mehr als ein Monat verkürzt werden. 1999 war man im Schnitt 188 Tage auf Jobsuche, im Jahr 2002 nur mehr 152 Tage," erläutert Inge Friehs. "Dabei wollen wir aber nicht stehen bleiben. Zielsetzung ist, dass dieses Jahr nicht mehr als 46.000 Menschen länger als 6 Monate arbeitslos bleiben sollen. Das AMS Wien hat sich darüber hinaus als Landesziel vorgenommen, dass mindestens 35.000 arbeit- oder lehrstellensuchende Menschen schon innerhalb von 3 Monaten Arbeit finden."

Bessere Betreuung und Vermittlung Um diese Vorhaben umzusetzen, reichen Aktivitäten im Bereich der Fördermaßnahmen nicht aus. Das AMS Wien arbeitet daher auch an einer kontinuierlichen Verbesserung seiner Aufgaben im Bereich Betreuung und Vermittlung von Arbeitslosen. Eckpfeiler sind der Ausbau der Betriebskontakte, um möglichst viele offene Stellen zu lukrieren, die Verbesserung der EDV-Datenqualität zur Erleichterung des Matchings zwischen Stellenangebot und Arbeitsuchenden und die aktive Betreuung der Arbeitsuchenden von Beginn an, die sogenannte "Early Intervention".

Zukauf von Beratungs- und Vermittlungsleistungen Um eine gleichmäßige Qualität der Betreuung für alle Arbeitsuchenden zu gewährleisten, wird das AMS Wien erstmals diese Dienstleistungen - für einen Teil der Vorgemerkten - an externe Betreuungseinrichtungen auslagern. Diese Maßnahme ist zeitlich begrenzt: Aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit und der besonderen Problemlagen am Wiener Arbeitsmarkt wird die Zahl der Planposten im AMS Wien aufgestockt werden. Bis die zusätzlichen AMS-BeraterInnen eingeschult und einsatzfähig sind, werden externe Beratungsinstitutionen mit der Durchführung von Beratung und Vermittlung für einen Teil der Vorgemerkten beauftragt. "Diese Beratungsstellen werden einen Teil jener Arbeitsuchenden betreuen, die größere Vermittlungshemmnisse aufweisen und daher besonders eingehende und ausführliche Beratung und Betreuung benötigen. Sie werden den Jobsuchenden auch Zugang zu Fördermaßnahmen verschaffen und sie auf Arbeitsstellen vermitteln," erläutert Inge Friehs. "Für den einzelnen Kunden und die einzelne Kundin, ob im AMS oder extern betreut, bleibt damit mehr Zeit zur Verfügung."

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Dr. Susanne Rauscher
Arbeitsmarktservice Wien
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