Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: "Altes" versus "neues" Europa (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 31. Jan. 2003

Klagenfurt (OTS) - Zwar ist man in Brüssel um Schadensbegrenzung bemüht, doch Europa hat den Scherben schon auf. Der Keil, den US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mitten in den Kontinent getrieben hat, indem er Frankreich und Deutschland als "Problem" und als "altes Europa" bezeichnet hatte, sitzt tief. Er hat die EU nicht zerrissen, aber die bereits vorhandenen Differenzen bloßgelegt und Europa bloßgestellt. Gestern hat sich ein "neues Europa" per Inserat im "Wall Street Journal" gemeldet. Frankreich, Deutschland und auch Österreich wurden gar nicht mehr gefragt, ob sie auch mit von der Partie der "neuen acht" sein wollen.

Noch am Montag dieser Woche hatten sich die Außenminister der 15 auf ein gemeinsames Papier zur Irak-Krise geeinigt, worin sie nicht das Weiße Haus, sondern den UN-Sicherheitsrat zum Gravitationszentrum erklärten. Der Schrieb war das Papier nicht wert.

Acht europäische Staaten, davon fünf EU-Staaten, entschlossen sich - Friedenspolitik hin, Völkerrecht her - zum Kotau vor George W. Bush. Sie haben Hosenflattern bekommen, nicht aus Sorge um den Frieden, sondern aus Sorge um sich selbst. Sie wollen kein "Problem" für Washington, lieber eines für die EU sein. Außerdem: Die Aufträge für den Irak-Wiederaufbau wird nach dem möglichen Krieg nicht Brüssel, sondern Amerika vergeben...

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