"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gereiztheit" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 31.01.2003

Graz (OTS) - Zu den Grundregeln des diplomatischen Geschäfts gehört es, dass sich Politiker nicht im Ausland zu innenpolitischen Streitthemen äußern.

Es ist daher unerfindlich, warum der erfahrene Diplomat Klestil
sich an diese Regel nicht gehalten und den Europarat als Plattform dafür benützt hat, gereizt zu fragen, wie lange das mit der Regierungsbildung so weitergehen solle.

Vielleicht ist er sich wie daheim vorgekommen, weil diese Organisation derzeit von zwei Österreichern geleitet wird.

Der Bundespräsident hat nur wiederholt, was er schon am Vortag in Wien erklärt und dem Bundeskanzler vermutlich im persönlichen Gespräch auch schon ausgerichtet hat. Umso eher hätte er es sich ersparen können.

Außerdem müsste Klestil seinen Parteifreund Schüssel inzwischen gut genug kennen, um zu wissen, dass dieser sich durch solche Zurufe nicht sehr beeindrucken lässt.

Es mag natürlich bitter für das Selbstgefühl eines "politischen Präsidenten" sein, das zuzugeben: Aber seit der Blamage des Jahres 2000 weiß Klestil, dass seine Möglichkeiten, in eine laufende Regierungsbildung einzugreifen, gering sind.

Nicht einmal beschleunigen kann er sie. ****

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