Wird der Klimaschutz ausgebremst? Klimabündnis warnt vor Goldgräber-Euphorie bei Kyoto-Mechanismen

Klimaschutz dringender denn je

Wien (OTS) - Österreich hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2012 (Berechnungszeitraum 2008-2012) um 13% zu senken. Ausgangsjahr ist hierbei 1990. Betroffen sind die Emissionen von Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) sowie 3 weitere Industriegase.
Derzeit sind wir weit von diesem Ziel entfernt. Die aktuellen Daten des Umweltbundesamtes zeigen für 2001 Emissionszuwächse von 4,8 Prozent, für den Verkehr sogar von 8 (!) Prozent.

Klimaschutz muss mit Massnahmen in Österreich beginnen

Angesichts dieser Zahlen umso verwunderlicher, dass die Bundesregierung sich der weltweiten Euphorie rund um die sogenannten Kyoto-Mechanismen unkritisch angeschlossen hat.
Klimabündnis Österreich fordert dringend die gestern avisierten 36 Millionen Euro für Klimaschutz-Maßnahmen im Ausland für Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger in Österreich einzusetzen.

Klimabündnis-Geschäftsführer Wolfgang Mehl: "Die Kyoto-Mechanismen sind von ihrer Umweltwirkung her höchstumstritten. Es ist zu erwarten dass Projekte finanziert werden, die keineswegs zusätzliche Emissions-Reduktionen bringen, veraltete Technologie fördern und im schlechtesten Fall sogar indirekt Atomenergie als Pseudo-Klimaschutz-Projekte unterstützen. Auf der anderen Seite fehlt das Geld für Maßnahmen in Österreich, die mehrere tausend zusätzliche Arbeitsplätze, z.B. im krisengeschüttelten Bau- und Baunebengewerbe bringen würden.

Hintergrundinfo: das Kyoto-Protokoll

Offenbar wurde vergessen, dass das Kyoto-Protokoll von 1997, wenngleich es ein erster wichtiger Schritt in der Geschichte der Klimaverhandlungen war, an sich nur einen "kleinsten gemeinsamen Nenner" darstellt, um die über 160 seit mehr als einem Jahrzehnt verhandelnden Nationen langfristig an einem Tisch zu halten. Die darin ins Auge gefasste Reduktion von Treibhausgasen wie CO2 macht weltweit aufgeteilt gerade mal 5 % aus.

Schlupflöcher

Im Kyoto-Protokoll tun sich für Staaten, die nicht allzu großes Interesse an eigenen Klimaschutzmaßnahmen haben, praktische "Hintertürln" auf: Staaten, die weniger treibhauswirksame Gase in die Atmosphäre ausstoßen, können an andere gleichsam Rechte zur Verschmutzung verkaufen. Jeder Staat kann sich dabei aussuchen, entweder Einspar-Investitionen zu tätigen oder Verschmutzungs-Lizenzen zu kaufen, um die festgelegten Reduktionsziele zu erreichen. Dazu kommen noch andere Kniffe, wie etwa die Anrechnung von Wäldern, Aufforstungsprojekten und Projekten aller Art auch außer Landes (CDM, Joint Implementation).

Tuala Sale Taloga, Umweltminister der Pazifik-Insel Samoa, die wie andere angesichts des fortschreitenden Klimawandels und des ansteigenden Meeresspiegels unmittelbar bedroht ist: "Wie viel Kreativität und politische Energie ist eingesetzt worden - nicht, um die Emissionen zu vermindern - sondern um ein System von undurchschaubarer Komplexität zu schaffen?"

Falle Emissionshandel

Speziell beim Emissionshandel wird in großem Stil mit sogenannter "Hot Air" (heiße Luft) gehandelt werden. Länder wie Russland werden nach den derzeitigen Rahmenbedingungen Emissionsrechte verkaufen dürfen, die niemals gebraucht, niemals eingespart wurden. Verlierer bei diesem System ist das Weltklima.

Rückfragen & Kontakt:

Klimabündnis Österreich
Tel.: 0043-1-5815881-17, 0664-3361348
wolfgang.mehl@klimabuendnis.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0010