Schützen mehr Rechte schwächere Verkehrsteilnehmer?

Fachverband der Fahrschulen schlägt Maßnahmenbündel vor

Wien (PWK062) - In letzter Zeit sorgen schreckliche Unfälle im Bereich von Schutzwegen und Radfahrerüberfahrten für großes Aufsehen. Eine Novellierung der StVO im Jahr 1995 sollte die Schutzwege sicherer machen. Leider trat genau der gegenteilige Effekt ein.

Für den Fachverband der Fahrschulen in der Wirtschaftskammer Österreich kommt diese Entwicklung leider nicht unerwartet. "Bereits vor Inkrafttreten dieser Novelle haben wir gewarnt, dass unklare Verkehrsregeln vor allem zu Lasten der schwächeren Verkehrsteilnehmer gehen", stellt Fachverbandsobmann Ing. Norbert Hausherr fest.

Die Formulierung des § 9 Abs. 2 StVO sei unklar und bringe viele Gefahren mit sich. Die Schuld an der steigenden Zahl der Unfälle alleine den Autofahrern zuzurechnen, sei zu billig. Vor allem Radfahrerüberfahrten seien oft so unglücklich angebracht, dass Autofahrer beim Einbiegen nach rechts kaum Chancen haben, Radfahrer rechtzeitig zu erkennen. Wähnt sich ein Radfahrer dann noch in trügerischer Sicherheit, weil er ja "Vorrang" hat, ist ein Unfall vorprogrammiert, erklärt Hausherr.

Der Fachverband der Fahrschulen schlägt daher folgende Maßnahmen vor, um das Unfallrisiko zu senken:

A. Schutzwege
Markieren eines ca. 1 Meter breiten Schutzstreifens in auffälliger Farbe auf dem Gehsteig vor einem Schutzweg. Davon sind, so Hausherr, folgende Vorteile zu erwarten:

1. Warnung des Fußgängers vor dem Betreten des Schutzweges. Durch gezielte Information soll erreicht werden, dass Fußgänger diesen Bereich nur betreten, wenn sie den Schutzweg tatsächlich benützen wollen. Die Fahrschulen würden eine Aufklärungskampagne intensiv unterstützen.
2. Für Fahrzeuglenker ist die Absicht der Fußgänger besser zu erkennen, wenn diese den Schutzweg benützen wollen.

Da diese Maßnahme bei einer flächendeckenden Umsetzung deutliche Kosten verursacht, empfiehlt der Fachverband, in einer einjährigen Testphase ca. 50 gefährliche Schutzwege (Unfallhäufungsstellen) mit derartigen Zusatzmarkierungen zu versehen.

Flankierende Maßnahmen würden die Sicherheit noch zusätzlich erhöhen:
1. Rigorose Kontrolle des Halte- und Parkverbotes im Bereich von Schutzwegen und Radfahrerüberfahrten. Häufig wird nicht nur unmittelbar vor, sondern sogar auf Schutzwegen und Radfahrerüberfahrten geparkt.
2. Eine Aufklärungskampagne, dass beim Anhalten vor Kreuzungen, bei einem Stau, etc. Schutzwege und Radfahrerüberfahrten frei bleiben müssen. Derzeit bleibt fast jeder Autofahrer auf diesen Stellen stehen, wenn durch die Verkehrslage ein Anhalten notwendig ist. Einerseits werden dadurch Fußgänger gezwungen, die Fahrbahn neben dem Schutzweg zu überqueren, andererseits können Fahrzeuglenker im Gegenverkehr Fußgänger oder Radfahrer nur schwer oder zu spät erkennen.
Zusätzliche Vorschriften oder Änderungen sind nicht notwendig, die bestehende Gesetzeslage reicht aus.

B. Radfahrerüberfahrten
Unbedingt notwendig ist nach Ansicht des Fachverbandes eine Änderung der §§ 9 und 19 der StVO. Beim Überqueren einer Radfahrerüberfahrt muss ein Radfahrer Wartepflicht gegenüber dem fließenden Verkehr haben.

"Es ist uns bewusst, dass vor allem Radfahrerorganisationen dies nicht unwidersprochen zur Kenntnis nehmen werden. Uns geht es aber nicht um Lobbyismus für bestimmte Gruppen von Verkehrsteilnehmern, sondern um mehr Sicherheit für alle. Das Beispiel von Vöcklabruck, wo ein 12-jähriges Mädchen für die Radfahrprüfung gelernt hat, dass sie auf einer Radfahrerüberfahrt Vorrang hat und am nächsten Tag genau dort getötet wurde, darf sich nicht wiederholen", betont der Fahrschul-Sprecher.

Allgemein müssten Radfahrerüberfahrten dahingehend überprüft werden, ob sie an geeigneter Stelle, d.h. für Autofahrer einsehbar, angebracht sind. (hp)

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Wirtschaftskammer Österreich
FV Fahrschulen
Dr. Michael Grubmann
Tel.: (++43-1) 50105-3160

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